München Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs setzt zum Ständchen an: „Gute Freunde kann niemand trennen.“ Der Freund, dem es gilt, schaut sich peinlich berührt um. Schließlich sind sie nicht allein im Besuchsraum – und die anderen dort sind noch viel krimineller als er selbst. So stellt Sat.1 sich den Gefängnis-Alltag von Uli Hoeneß vor.

An diesem Dienstag (20.15 Uhr) strahlt der Sender die mit Spannung erwartete Satire „Die Udo Honig Story“ aus. Erst kürzlich lief im ZDF ein Doku-Drama über den aufsehenerregenden Prozess.

Nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg („Der Minister“), dem von Christian Wulff („Der Rücktritt“) und der Schlecker-Pleite („Die Schlikkerfrauen“) ist der Fall des „Mr. Bayern München“ der vierte große Skandal der jüngsten deutschen Geschichte, den Sat.1 zur Satire verarbeitet – und diesmal haben sich die Macher selbst übertroffen.

Der Film beginnt mit dem Haftantritt von Honig (toll: Uwe Ochsenknecht) nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Kurz bevor er das Gefängnistor durchschreitet, gibt er – wie auch in echt geschehen – noch ein letztes kurzes Interview. Darin sagt Honig viel von dem, was auch Hoeneß gesagt hat. Dass Hass ein schlechter Ratgeber sei und dass er zurückkommen werde: „Das war’s noch nicht!“

Einziger Verbündeter im Gefängnis ist zunächst sein Zellengenosse Stefan (sehr lustig: Max von Thun mit Dauerwelle), der sich das Emblem des FC Rot-Weiß Oberbayern auf den Unterarm hat tätowieren lassen und sein Glück gar nicht fassen kann, als sein neuer Zellengenosse plötzlich vor ihm steht.

Im Gegensatz zu Stefan ist der Gefängnisdirektor (Heiner Lauterbach) gar nicht begeistert von seinem neuen Häftling. „Hätten’s halt einfach Ihre Steuern gezahlt – Herrgottsakra.“ Das ändert sich allerdings, als er merkt, dass Honig ihm durchaus nützlich sein kann. Er poliert die Gefängnismetzgerei auf und die Gefängnis-Fußballmannschaft ebenso. Es dauert nicht lange, da ist Honig der heimliche Chef im Knast. Den wohl entlarvendsten Satz des Filmes spricht er, als er dem Direktor erklärt, warum Geld so wichtig ist: „An jedem Schein klebt ein bisschen Macht.“

Der Film ist keine Geschichte über den Fall eines einst großen Mannes, sondern die Geschichte eines beispiellosen Aufstiegs. Wird Honig am Anfang noch von einem Mitinsassen (Martin Feifel) verprügelt und muss ihm seinen Pudding abtreten, hat er ihn zum Schluss komplett um den Finger gewickelt und verfügt auch ansonsten über alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten.

Die große Stärke des Films sind die unglaublich genauen Beobachtungen der realen Rollenvorbilder, die sich bis in die kleinsten Figuren ziehen. Nicht nur Ochsenknecht hat Hoeneß ganz genau studiert, das gilt auch für Hannes Jaenicke als „Franz Kaiser“ oder Wolfgang Fierek als „Paul Greitner“.

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