Dresden „Ich bin kein Mörder!“ Louis Bürger (Max Riemelt) schreit es heraus: zu Karin Gorniak (Karin Han-czewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), zu seiner Frau Anna (Katia Fellin) und Sohn Tim (Claude Heinrich). Sie alle sind im neuen „Tatort“ aus Dresden in einer Ausnahmesituation.

Das Erste zeigt „Die Zeit ist gekommen“ an diesem Sonntag um 20.15 Uhr – Psychodrama und Gesellschaftsstudie statt klassischer Krimi. Es verlangt den Kommissarinnen und ihrem Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach), aber auch Täter und Opfern alles ab. Bis zur Erschöpfung.

Nur zwei Tage zuvor wähnt sich Louis am Ziel: ein Neuanfang, ohne Drogen und Partys, in einem schönen Zuhause. Jubelnd vor Glück holt er seine Liebste mit dem Motorroller von der Arbeit ab, es ist ihr Geburtstag und er hat Aussicht auf einen Job. Schnitt. Anna schminkt sich zu Hause und Louis sticht sich in der Untersuchungshaft mit frisch angespitztem Bleistift ins Ohr.

Der erschlagene Nachbar aus dem Plattenbau, ein Polizist, hat den Traum von Normalität zerplatzen lassen. Louis, der schon drei Jahre im Gefängnis war, steht unter Verdacht. „Ich hab’ nichts gemacht“, beteuert er. Fingerabdrücke auf der Tatwaffe, Tims Baseballschläger, Berichte über Streit mit dem Opfer, alles spricht gegen ihn. Er sieht nur einen Ausweg: Flucht. Anna befreit ihn aus dem Krankenhaus, als er wegen seines Ohres behandelt wird.

„Nie wieder ins Gefängnis“ hat Louis seinem Sohn versprochen. Tim abholen und ins Ausland, das ist sein Plan. Aber Gorniak und Winkler fahren auch ins Kinderheim „Moritz“, wo sich ganz schnell andere Fragen stellen. Die Flüchtigen haben die Pistolen von Louis’ Bewachern. In die Ecke gedrängt, nehmen sie die Heimleiterin und einen Jugendlichen als Geiseln, verschanzen sich in der Küche. Und zwei Mädchen verstecken sich unbemerkt auf dem Dachboden – auch Schnabel kommt ins Schwitzen, nicht nur wegen der Sommerhitze.

Anna ist fest überzeugt, dass ihr Mann zu Unrecht beschuldigt wird, ein zweites Mal. „Das Wichtigste ist, wir halten zusammen“, beschwört Louis sie und Tim. Der Zwölfjährige aber ist wütend und hat sich in der Speisekammer eingeschlossen. Er ringt dort mit seinen Zweifeln und der Liebe zu seinen Eltern.

Die Geschichte (Autoren: Stefanie Veith und Michael Comtesse) berührt, Regisseur Stephan Lacant („Freier Fall“) hat sie gefühlvoll, spannend und auch actiongeladen in Szene gesetzt. So als Anna einen Zettel mit der Frage „Sprichst Du noch mit uns?“ unter der Tür durchschiebt und angstvoll auf die Antwort wartet: Ja, Nein, Vielleicht. „Da werden große Lebensfragen gestellt: Was ist Liebe, was bedeutet Familie, welche Träume hat man, wo will man hin, was sind Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, große Themen, die mich gereizt haben“, sagt Lacant, der erstmals für den „Tatort“ arbeitete.

Dabei gibt es kein Schwarz oder Weiß, fast bis zum Schluss bleibt offen, ob Louis schuldig ist. Die verschiedenen Perspektiven – Kommissare, Kinderheim, Plattenbau – waren eine besondere Herausforderung, auch für die Darsteller.

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