BERLIN Wir schreiben den 31. Mai 2010. Terroranschläge auf Öl-Raffinerien erschüttern die Menschheit. Die Fußball-WM in Südafrika wird kurzerhand abgesagt. Und in Deutschland gibt es kein Benzin mehr.

Kurze Zeit später zerbricht im bitterarmen Mecklenburg-Vorpommern der soziale Frieden. Die Arbeitslosenzahl schießt in die Höhe. Geschürt von Propaganda stehen sich in Rostock Rechte und Linke in einer Art Bürgerkrieg gegenüber. Als die Linkspartei die Landtagswahl gewinnt, spaltet sich das Bundesland als Deutsche Sozialistische Republik Mecklenburg-Vorpommern ab.

Was wäre, wenn Deutschland wieder geteilt würde? Diesem Szenario folgt der zweiteilige Thriller „Die Grenze“ (heute läuft der zweite Teil um 20.15 Uhr) in Sat 1 ausgestrahlt wird. Christoph und Friedemann Fromm haben das Drehbuch geschrieben, basierend auf einer Idee von Teamworx-Produzent Nico Hofmann, der sich vor etwa drei Jahren fragte: „Was passiert, wenn das soziale Gefälle immer stärker wird? Ist Deutschland verführbar, wenn ein Messias im weißen Gewande an die Menschen herantritt? Kann es so etwas wie eine kleine DDR geben, und kann sich so ein Bundesland abspalten?“

Neue Nationale Volksarmee

Der Film von Regisseur Roland Suso Richter ist nicht nur völlig fiktiv, er ist auch im höchsten Maße provokativ: Die erfundene Rechtspartei DNS (Deutsch, National, Stolz) verführt in Gestalt des aalglatten Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann) die Massen. Die Linke ruft mit ihrem Spitzenkandidaten Franz Geri (Jürgen Heinrich) und dem eifernden, aber sympathisch angelegten Nostalgiker Erich Manz (Uwe Kockisch) die Neue Nationale Volksarmee aus. Die Bundeskanzlerin – Katja Riemann mit Merkel-Blazer und Hillary-Clinton-Frisur – wählt das kleinere Übel und unterstützt aus der Ferne am Ende sogar heimlich die Sozialisten.

Lösen soll die Staatskrise der arbeitslose Werbeprofi Rolf Haas (Benno Fürmann), ins Feld geschickt von der Verfassungsschutz-Agentin Linda Jehnert (Anja Kling). Der Held des Films muss sich dabei auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, denn Schnell – der frappierend an den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider erinnert – war einmal sein Freund und Nadine Manz (Marie Bäumer), Tochter des „Guerilla“-Sozialisten Erich, seine Liebe. Das ist dann allerdings alles ein wenig viel für den Film.

Aber zumindest Fürmann war begeistert vom gedanklichen Experiment. Allerdings schränkte er ein: „Selbst wenn man sich eine gerechtere Welt abseits des Kapitalismus vorstellt, sehe ich das nicht aktuell, dass ein Bundesland alleine als kleines Schiffchen auf das Fahrwasser raussegelt ohne den großen schützenden Bau Bundesrepublik Deutschland, der in den letzten Jahren das Mutterschiff gewesen ist. Aber die Idee ist halt spannend.“

Mit Ost-Erfahrung

Für die Schauspieler war es nicht so einfach, sich dem Film zu nähern. Anja Kling sagt, sie habe Angst gekriegt, als sie das Drehbuch zum ersten Mal las. Uwe Kockisch war sich nicht sicher, ob er diese Reise in die Zukunft, die Anleihen in der Vergangenheit nimmt, mitmachen will. Auch Jürgen Heinrich hat Ost-Erfahrung. Richter sagt, es war ihm wichtig, dass bestimmte Figuren mit Darstellern besetzt sind, die die DDR kennen.

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