Luzern „Schmutziger Donnerstag“ bedeutet Ausnahmezustand. Zigtausende Kostümierte tanzen, singen und feiern in den Gassen der Altstadt von Luzern. In tiefster Dunkelheit um fünf Uhr früh beginnt mit dem Urknall das närrische Treiben, das erst am Fasnachtsdienstag endet.

Hilfeschreie in der Menge

Traditionsbewusste Ehrbarkeit prägt diese oft anarchisch wirkende Fasnacht ebenso wie wilde Zügellosigkeit. „Tatort“-Kommissar Reto Flückiger kann all dem nichts abgewinnen und flüchtet auf den Vierwaldstädter See, seine Kollegin Liz stürzt sich derweil in amouröse Abenteuer. Genießen können die beiden diesen „Schmutzigen Donnerstag“ nicht. Sie haben Bereitschaft und einen neuen Fall. Den zeigt die ARD am Sonntag um 20.15 Uhr.

Der Schweizer Regisseur Dani Levy („Meschugge“, „Alles auf Zucker“) inszenierte diese neue Folge des Schweizer „Tatorts“. Der leibhaftige Tod sticht zu. Mitten in der feiernden Menge, die um den Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz tanzt, lacht, singt und jubelnd die über sie ausgestreuten Papierschnipsel empfängt.

In diesem „Fötzeliräge“ sind die Hilfeschreie des jungen Mannes kaum zu hören, der sich verzweifelt über einen schwer blutenden Mann beugt, der vom Tod niedergestochen wurde. Es dauert, bis die beiden Kommissare endlich zum Tatort durchgedrungen sind. Der Tote ist Franz Schäublin, Vorsteher des Bauausschusses, aktives Mitglied der „Zunft der Wächter am Pilatus“ und eigentlich ein ehrbarer Bürger. Allerdings hat er eine ziemlich wilde Nacht mit einer Prostituierten verbracht.

Die Polizei steht vor einem Rätsel, zumal der Tote eine Menge Geld bei sich hatte. Außerdem verweigern sich die Fasnachter jeder Zusammenarbeit.

Schaurige Seite

Während seine Kollegen an Verschwörung denken, befürchtet Flückiger einen privaten Rachefeldzug. Er würde am liebsten die Fasnacht absagen – zum Entsetzen seiner Vorgesetzten. Dann wird beinahe vor den Augen der Polizei ein weiterer Zunftbruder niedergestochen . . .

Die Handlung dieses Schweizer „Tatorts“ mag nicht gerade tiefsinnig sein. Aber Dani Levy spielt souverän mit den schönen und oft auch schaurigen Bildern, die die Luzerner Fasnacht bietet. Viele der Szenen sind Originalaufnahmen vom närrischen Treiben im vergangenen Jahr.

Die Masken des von Rache getriebenen Mörders sind so gekonnt und wechselhaft, dass auch der Kommissar auf sie hereinfällt. Wer ist gut, und wer ist böse? Alles erscheint hier doppeldeutig, verdreht und unheimlich. Levy, für den „Schmutziger Donnerstag“ nicht nur die erste „Tatort“-Regie ist, sondern auch der erste Film, den er in der Schweiz gedreht hat, gelingt es, diese dunkle, schaurige Seite der Luzerner Fasnacht spürbar zu machen.

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