Köln Es gab Zeiten in Deutschland, da verstand man unter einem aus der Art geschlagenen Schüler einen Jungen wie den Kinohelden Pepe Nietnagel. Einen „Lümmel von der ersten Bank“, der es den Paukern mit kecken Streichen mal so richtig zeigt.

Im Vergleich zu den Schülern, auf die Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) in seinem neuen Fall an diesem Montag (20.15 Uhr) im ZDF trifft, sieht Pepe Nietnagel aus wie ein braver Messdiener. Statt um Streiche geht es um blanken Wahnsinn – um Sex, Gewalt, Mord und Erpressung. Und um etwas, das „LARP“ genannt wird.

Es ist eine grelle Mischung an Themen, in die Buch-Autorin Elisabeth Herrmann ihren Helden Vernau in „Die 7. Stunde“ schickt. Diesmal soll der Berliner Anwalt eigentlich nur eine Jura-AG an einer teuren Privatschule leiten. Das Haus hält sich für elitär und soll bald in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

Recht schnell wird allerdings klar, dass Vernaus Zöglinge ein mysteriöses Doppelleben führen und sich in Rollenspiele (Englisch: „Live Action Role Playing“ oder auch „LARP“) verstrickt haben, hinter denen wohl mehr als ein bisschen Kostümierung im Mondschein steckt. Vorbild sind nämlich – offenbar für jeden zugängliche – Krankenakten vom Dachboden des piekfeinen „Friedrich-von-Stein-Campus“, der einst eine Nervenheilanstalt war.

„Die 7. Stunde“ ist der mittlerweile vierte verfilmte Kriminalroman von Elisabeth Herrmann mit Jan Josef Liefers als Anwalt Vernau. Er spielt ihn als ebenso weltläufigen wie sympathischen Juristen. Vernau ist weniger verschroben als Liefers beliebter Professor Boerne aus der ARD-Reihe „Tatort“, dabei allerdings wird er nach und nach zu einem ähnlichen Quotenbringer. Der Vernau-Fall „Der Mann ohne Schatten“ im Januar 2015 lockte 7,20 Millionen Zuschauer zum ZDF.

Die Themen, die bei der „7. Stunde“ im Hintergrund mitschwingen, sind klar: verselbstständigte Eliten, entkoppelte Parallelwelten wie eine exklusive Privatschule, moralischer Verfall bei Kindern, von denen viel zu früh viel zu viel verlangt wird. Der Film zeigt, dass sich das auch mit unterhaltsamen Schauergeschichten und einem lockeren Ton verbinden lässt.

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