Berlin Das Grundgesetz wird 70 Jahre alt, das Erste widmet ihm aus diesem Anlass einen ausführlichen Themenabend. Er beginnt an diesem Mittwoch (22. Mai) um 20.15 Uhr und endet um 0.15 Uhr. Zunächst stellt sich nach der „Tagesschau“ Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, in einer ungewöhnlichen Diskussionssendung den Fragen von rund 150 Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Deutschland.

Die Sendung „Im Namen des Volkes – Deutschland fragt zum Grundgesetz“ kommt aus Karlsruhe, dem Sitz des Verfassungsgerichts. Die Moderation übernehmen Sandra Maischberger und ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam. Im Mittelpunkt stehen die Fragen zur deutschen Verfassung an Voßkuhle. Dabei geht es um Themen wie Meinungs- und Religionsfreiheit oder das Asylrecht. Hinzu kommen kurze Erklärfilme und Rückblicke zum Thema 70 Jahre Grundgesetz.

Ab 21.30 Uhr ist dann der Film „Sternstunde ihres Lebens“ unter anderem mit Iris Berben, Anna Maria Mühe, Maja Schöne und Max von Thun zu sehen, der im Bonn des Jahres 1948 spielt. Er erzählt von der Hartnäckigkeit der Abgeordneten Elisabeth Selbert, die dafür kämpft, den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in die Verfassung aufzunehmen. Einhellige Zustimmung gab es bei den Diskussionen im Parlamentarischen Rat dafür nicht. Aber sie setzte sich durch: Er steht in Artikel 3, Absatz 2.

Mit dem Thema „70 Jahre Gleichberechtigung“ beschäftigt sich nach den „Tagesthemen“ ab 23.30 Uhr auch die Dokumentation „Als Mutti arbeiten ging“ von Susanne Brahms und Rainer Krause. Mit Interviews und vielen historischen Filmaufnahmen zeigen die Filmemacher, dass beim Thema Gleichberechtigung die Verfassung das eine, der Alltag das andere ist: Denn auch nach Verkündung des Grundgesetzes war es für die meisten Männer völlig selbstverständlich, dass sie ihren Beruf behielten und ihre Frau auf berufliche Karriere verzichten sollte.

Dokumentarische Filmaufnahmen aus den 50er Jahren wirken heute fast parodistisch, aber im Verhältnis der Geschlechter war es um die Gleichberechtigung noch jahrzehntelang schlecht bestellt: Verheiratete Frauen in der Bundesrepublik durften weder ein eigenes Konto eröffnen noch ohne Zustimmung des Mannes eine Arbeitsstelle annehmen.

Anders, wenn auch nicht in jeder Hinsicht besser, war das in der DDR: Die arbeitende Frau war dort das gesellschaftliche Ideal. In den 50er Jahren gab es sogar eine Anti-Hausfrauen-Kampagne – Frauen, die sich auf Erziehung und Haushalt konzentrieren wollten, waren nicht gerne gesehen. Um 1970 waren 80 Prozent der Frauen berufstätig.

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