Berlin Der Bericht ist im vergangenen Jahr gedreht worden, er hat aber in der aktuellen Lage an Schärfe gewonnen: „Sieben Milliarden im Visier“ heißt der französische Dokumentarfilm, den Arte an diesem Dienstag, 21. April, um 20.15 Uhr zeigt. Er befasst sich mit digitaler Überwachung weltweit, den technischen Möglichkeiten und den Gelüsten mancher Machthaber, jeden zu kontrollieren.

Die Corona-Pandemie hat dem ein oder anderen Autokraten in die Karten gespielt. Selbst in dem nach internationalen Maßstäben freizügigen Deutschland wird über Apps diskutiert, die Bewegungsdaten sammeln – wenn auch auf freiwilliger Basis.

„Sind Sie paranoid?“ Diese anmaßend klingende Frage muss sich Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi gefallen lassen. „Nun, wenn man 86 Tote in Nizza als Paranoia bezeichnen will, kann man das wohl tun“, sagt Estrosi im Interview. Aber er habe das anders empfunden. Es handele sich um eine konkrete Bedrohung. „Frankreich befindet sich im Krieg.“

Nizzas Bürgermeister bezieht sich dabei auf die terroristischen Anschläge in seinem Land, besonders im Sommer 2016, als ein Attentäter im Lastwagen an der Côte d’Azur Dutzende von Passanten tötete. Auch in Nizza sind seit dem Terrorakt die Überwachungstechniken verfeinert worden.

Zehntausend Kilometer weiter lebt die Angst im Alltag mit. In Xinjiang, einer Hochburg der muslimischen Uiguren-Minderheit in China, ist jeder Haushalt mit einem QR-Code markiert. Die Polizei in dem immer noch als kommunistisch bezeichneten Ein-Parteien-Staat kann kontrollieren, wer gerade zu Hause ist, was die Bewohner tun und auch wie hoch das Einkommen ist. Interviews dort sind nur mit versteckter Kamera möglich.

Letztlich wird auch das Eingreifen der Polizei mit versteckter Kamera gefilmt. China gehört zu den Hochburgen totaler digitaler Kontrolle, für die weltweit jährlich rund 40 Milliarden Dollar ausgegeben werde, wie es in dem Bericht heißt. „Die Kameras sind überall, die Regierung sieht alles, das macht mir Angst“, sagt ein Chinese in die Arte-Kamera.

In Tel Aviv in Israel ist eines der weltweit erfolgreichsten Unternehmen, die Überwachungstechniken produzieren, beherbergt. „Was ist Ihnen denn wichtiger: in Sicherheit zu leben oder nicht von einer Kamera analysiert zu werden?“, fragt der Chef, der seine Mitarbeiter nur noch auf der Basis von Gesichtserkennung durch die Tür lässt.

In den USA seien, so sagt die US-Politikerin Clare Garvie, 50 Prozent aller Einwohner inzwischen in einer zen­tralen Datenbank der Strafverfolgung gespeichert. Ihr Vergehen? Sie besitzen einen Personalausweis und Führerschein.

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