HAMBURG Hexen brauchen Zeit. Veronica Ferres zum Beispiel jeden Morgen vier Stunden, um sich in eine anständige Hexe mit rot glühenden Äuglein und zerknitterter Pergamenthaut zu verwandeln. Und dann musste sie auch noch eine lebende Schnecke verschlucken. „Die war aus Marzipan“, sagt die Schauspielerin. Aber das pure Vergnügen war das auch nicht. Denn das Marzipan blieb zwischen den künstlich aufgesetzten Raffzähnen kleben . Es musste nach Drehschluss bei der zweistündigen Abschminkprozedur erst mal wieder umständlich entfernt werden.

Die 45-jährige Ferres gehört zu der illustren Besetzungsliste, mit der am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag die ARD wieder an den Märchenstart geht. Drei Stunden Märchen pro Feiertag – manche Zuschauer beklagten sich schon, heißt es von der ARD: „Ihretwegen mussten wir den gesamten Ablauf unseres Weihnachtsfestes umkrempeln, um die drei Stunden Märchenfilm freizuschaufeln.“

„Sechs auf einen Streich“ lautet wieder das Motto, was etwas eine Mogelpackung ist. Denn von den sechs Filmen sind am ersten Feiertag „Rapunzel“ und am zweiten „Tischleindeckdich“ Wiederholungen.

Eine Neuigkeit bei den übrigen Produktionen: Zwei davon, „Die Prinzessin auf der Erbse“ (mit Iris Berben) am 25. Dezember (16.40 Uhr) und „Des Kaisers neue Kleider“ (mit Matthias Brandt) am 26. (16.05 Uhr), haben kein Grimm-Märchen als Vorlage, sondern sind Stoffe von Hans Christian Andersen. Originalen Grimm bieten am zweiten Feiertag „Der Meisterdieb“ (15.05 Uhr) mit Max von Thun und am Ersten ein weniger bekannter Brüder-Grimm-Stoff, „Das blaue Licht“ (15.40 Uhr). Der brachte Kniffligkeiten mit sich. Weniger die Hexenmaske der Ferres, eher schon die Szene, da der Held Jakob (Christoph Letkowski) unter dem Galgen steht und gleich gehenkt werden soll.

Regisseur Carsten Fiebeler wollte das ganz realistisch, mit maskiertem Henker und Strick um den Hals. Redakteurin Patricia Vasopollo wünschte sich das lieber mehr dezent, aber Fiebeler setzte sich durch, und die als Tester herangezogenen Kinder waren auf seiner Seite: „Der Jakob wird doch gerettet!“

Problematisch dürfte eher sein, ob die beim Publikum so beliebte, inzwischen auch international gut verkäufliche Reihe fortgesetzt werden kann. Denn Märchenfilme sind Kostümfilme und sind nun mal teuer: Mit dem ursprünglich festgesetzten Etat von einer Million pro Film kommt man kaum hin.

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