Berlin Harald Juhnke nannte sie die „schöne Schöne“, doch diese Rolle hat die blonde Berlinerin nach fünf Jahrzehnten Schauspielerei satt. „Jetzt im Alter die Alten spielen zu dürfen, das finde ich wunderbar“, sagt Barbara Schöne im Interview. „Am schönsten sind die Uralten, wo man mich an der Stimme erkennt und nicht sofort am Typ.“ Markant rauchig klingt sie immer noch – auch wenn sie seit zehn Jahren nicht mehr raucht. An diesem Freitag feiert die Bühnen-Veteranin ihren 70. Geburtstag.

„Schillerstraße“, „SOKO“, „Immer wieder Sonntag“: Schöne ist fester Bestandteil des deutschen Fernsehens. Viele erinnern sich bis heute vor allem daran, wie sie sich von 1979 bis 1981 mit Harald Juhnke durch die Samstagabend-Revue „Musik ist Trumpf“ tanzte und sang.

„Juhnkes Assistentin“ – das höre sie immer wieder, sagt Schöne. „Das ist absoluter Quatsch! Ich war nicht seine Assistentin, ich war seine Partnerin. Ich habe ja die Hälfte der Sendung gemacht!“

Die herumalbernde Helferin war nur eine Rolle von vielen. Ende der 1970er gehörte Schöne zu den meistgebuchten Darstellerinnen Deutschlands. Morgens stand sie vor der Kamera, abends auf der Bühne. Mörderinnen und Dirnen, berlinernde Bardamen und bezaubernde Fräuleins – „Charakterdarstellerin, das war immer mein Anliegen“, sagt Schöne. „Tragikomisch, das liebe ich. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Wert auf Hauptrollen legt sie nicht. „Wichtig ist, dass in Erinnerung bleibt, was ich spiele“, betont sie.

Schöne wurde 1947 in West-Berlin als Tochter eines Regisseurs geboren. Als Schulkind spielte sie in Senderstudios Verstecken, mit zehn Jahren hatte sie die erste Fernsehrolle. Schauspielern sei Arbeit und Verzicht, warnte ihr Vater. Schöne übte heimlich und bestand mit 15 die Aufnahmeprüfung für die Max-Reinhardt-Schule (heute Universität der Künste).

Gleich das ersten Vorsprechen brachte der Jugendlichen ihre erste Hauptrolle ein, Dutzende weitere Engagements folgten allein während der Schulzeit. Sozialkritische Stücke, Boulevardtheater, Bühnen in Hamburg, München und Berlin: Ihre Karriere an der Seite von Stars wie Inge Meysel und Gustav Knuth, Georg Thomalla und Johannes Heesters liest sich wie ein Who is Who der deutschen Schauspielkunst.

„Ich wollte mich immer ausprobieren“, sagt sie. „Ich bin immer volles Risiko gegangen, und das war auch gut so.“ Disziplin, Fleiß und Vielseitigkeit seien die Voraussetzungen dafür, meint die Schauspielerin. „Wenn man sich auf den Lorbeeren ausruht, dann kann man eigentlich gleich abdanken.“ Jungen Kollegen rät sie: „Fangt im vierten Gang an, nicht im ersten. Zurücknehmen kannste immer noch.“

Das große Tempo muss Barbara Schöne im Beruf heute nicht mehr liefern, rasten will sie dennoch nicht. 2016 war sie mit der Kuttner-Dramödie „Mängelexemplar“ im Kino zu sehen, demnächst taucht sie wieder in einem ZDF-Krimi auf. „Wieder ’ne andere Type und überhaupt nicht schön“, sagt sie lachend. „Aber schauspielerisch schön, mit ganz viel Seele, Herz und Gefühl.“

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