Düsseldorf /Berlin Die Nachfrage ist groß, die Kreativen kommen kaum noch hinterher, sich muntere Wortspiele für die Lieferdienste auszudenken, die kistenweise regionales Obst und Gemüse in Wohnungen oder Büros schleppen. „Paradieschen“ liefert aus dem bayerischen Ort Linsengericht, „Lotta Karotta“ versorgt Südniedersachsen und den Harz, die „Märkische Kiste“ steht in Berlin vor den Haustüren.

Obst- und Gemüse-Abo-Kisten kommen wöchentlich, 14-tägig oder monatlich ins Haus. Sie versprechen frische Ware aus der Region, meist in Bioqualität und sorgen für Zeitersparnis beim lästigen Einkauf. Zudem vermitteln sie das gute Gefühl, die regionale Landwirtschaft zu stärken. Radieschen, Suppengrün und Tomaten vom Hof um die Ecke statt anonymer Ware vom Weltmarkt.

Wie funktioniert das

Noch vor zehn Jahren gab es verhältnismäßig wenig Spielraum bei der Bestückung einer Lieferkiste. Ein klassisches Gemüse- oder Obst-Abo brachte ins Haus, was das Feld saisonal hergab und führte dazu, dass viel Kreativität etwa für die siebte Abwandlung der Zubereitung eines Teltower Rübchens aufgebracht werden musste. Diese Zeiten sind dank der Digitalisierung vorbei, die Präsentation im Internet steht anderen Webshops und Lieferdiensten in nichts nach. Heute bieten viele der Anbieter eine enorme Auswahl, Klick für Klick kann die Kiste wöchentlich nach eigenen Vorlieben gefüllt werden - die meisten Kunden stellen sich ihre Lieferung individuell nach Gusto zusammen.

Die Werbung macht’s

Die meisten Anbieter werben mit Bio-Qualität, manche haben ihr Sortiment auch auf Backwaren, Milchprodukte oder Fisch erweitert. Auch wenn der Anteil von Biowaren insgesamt zunimmt, fristen sie gleichwohl im Lebensmittelhandel ein Nischendasein. „Im Supermarkt wird viel stärker auf den Preis geachtet und im Zweifelsfall auch auf Bio verzichtet“, sagt Frank Waskow, Lebensmittel-Experte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wer sich also grundsätzlich für eine Öko-Kiste mit Bio-Obst und -Gemüse entscheidet, muss diesen inneren Konflikt nicht ausfechten, dann ist ja schon mal die Grundsatzentscheidung für Bioprodukte gefallen. Diese Entwicklung begrüßt auch „Slow Food Deutschland“. Der Verein setzt sich ein für mehr Wertschätzung für Landwirte, die Bereitschaft zu faireren Preisen sowie Unterstützung des regionalen Lebensmittelhandwerks, so Vorsitzende Nina Wolff. Sie freut sich über den Boom bei Ökokisten: „Und umso enger die Beziehungen zu den Erzeugerinnen und Erzeugern sind, desto größer ist meist die Wertschätzung.“

Anbieter gut auswählen

Wer mit einem Abo der Obst- und Gemüsekisten die regionale Landwirtschaft stärken will, sollte den Anbieter sorgfältig auswählen. „Es lohnt sich, genau hinzuschauen, welcher Ansatz verfolgt wird, denn auf dem Markt hat sich viel getan“, sagt Frank Waskow. „Es gibt nach wie vor lokale Bauernhöfe, die sich einen Kundenstamm aufgebaut haben. Dieser Kundenstamm akzeptiert dann auch, wenn wirklich nur saisonale Ware geliefert wird.“

In den vergangenen Jahren seien viele Angebote dazugekommen, die wie Lieferdienste funktionieren und lediglich Webshops etablieren.

Nachfragen hilft

Deshalb ermuntern die Verbraucherzentralen dazu, nach der Herkunft der Bioprodukte zu fragen und zu klären, welche Ware vom Großmarkt oder Großhandel zugekauft wird und ob es aus der Region, Deutschland, der EU oder Drittländern und Übersee stammt. Bei einer Ananas sei klar, dass die nicht in Deutschland geerntet wurde. Aber was ist mit Porree, Möhren, Sellerie oder Äpfeln? Lose Ware trägt nun mal kein Biosiegel. Da Gemüse und Obst unverpackt geliefert werden, findet man zwar im Lieferschein die Angaben, muss aber letztlich dem Anbieter vertrauen. Auch müssen Verbraucherinnen und Verbraucher den Überblick behalten, wenngleich das nicht so einfach ist bei den vielen Bio-Labeln.

Für Verbraucherschützer Frank Waskow ist „das EU-Standardsiegel schon ganz in Ordnung“, wer aber strengere Regeln für Öko-Anbau und mehr Tierwohl wünscht, sollte auf die nationalen Siegel der Bioverbände wie „Demeter“ oder „Bioland“ achten.

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