Neuenbrok Nein, es waren keine nachgewiesenen Verwandten der Spiekermann-Familie an diesem Abend in der „Klecksklause“ zu Gast. Sonst hätte Plattschnacker Gerd Spiekermann sein gesamtes Programm umstellen müssen, waren doch Mudder und Vadder, Oma, Opa und Verwandte unverzichtbare Protagonisten seiner Erinnerungen, die im Laufe des Abends in der voll besetzten Diele im historischen Bauernhaus von Edith Koschnick das Publikum begeisterten.

„De olen Tieden“

Spiekermann, 1952 in Ovelgönne geboren, ist einer der bekanntesten plattdeutschen Schriftsteller und Mitarbeiter des NDR. Über seine Kindheit und „de olen Tieden“ auf dem platten Land in den 50er und 60er Jahren parlierte Spiekermann – fernab von nostalgischer Verklärung – locker und munter. Seine auf den Punkt zündenden Pointen brachten seine Gäste so in Fahrt, dass viele Taschentücher nötig waren, um die Lachtränen abzuwischen. Dazu kam bei manchen Altersgenossen ein Wiedererkennungswert der Lebensumstände in den Nachkriegsjahrzehnten: „Genau so haben wir es auch erlebt.“

„Dat Klo weer buten un klamm und kold“ – das mag die Vorliebe des jetzt erwachsenen Gerds für 28 Grad warme Badezimmer erklären. Und wenn die Familie morgens die Zeitung ausgelesen hatte, kam Opa mit dem großen Messer, schnitt die Zeitung in handliche Stücke, die wurden auf der Toilette an einem Nagel „ruppspiekert“. Daher also der Name Spiekermann.

Ein stilles Örtchen

Auch weiteren Lesestoff aus vielen bunten Illustrierten gab es auf dem stillen Örtchen reichlich. Spiekermann: „Wat damals mit Vera Brühne, Rosemarie Nitribitt und Kaiserin Soraya passeerte, dat weet ick allens van’t Klo“. Die 50er Jahre, das waren Ahoi-Brause in drei Geschmacksrichtungen, Korn für die Männer und Eckes-Edelkirsch für die Frauen, Caro-Kaffee, Leibchen mit Strapsen und kratzige Bleyle-Hosen, Omas schmackhafte und gestreckten Frikadellen, das waren die Zigarettenmarken Juno und Ernte 23.

Fuchtig konnte der kleine Gerd werden, wenn im Schwarz-Weiß-Fernseher statt der gewünschten Fury-Serie Heinz Maegerlein auftrat und fragte „Hätten Sie’s gewusst?“. Dann doch lieber das aufregende Testbild. „Nur keine Verklärung“, warnt Gerd Spiekermann, „damals war nicht alles besser, schöner und gesünder“.

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