Oldenburg 20 000 Euro für eine Packung Tabletten? Wie kommen solch horrende Summen zustande?

Das Unternehmen „Gilead Sciences“ verlangt selbstverständlich nicht grundlos einen solchen Preis. Ihr Mittel „Sovaldi“ soll die chronische Krankheit Hepatitis C bekämpfen, doch wie kann es sein, dass gerade ein Medikament, welches eine nur schwer heilbare Krankheit wie Hepatitis C bekämpft, einen Preis hat, der bei rund 700 Euro pro Tablette liegt?

Das Medikament Sovaldi ist natürlich ein sehr extremes Beispiel dieser von vielen Politikern verteufelten Hochpreispolitik. Dennoch gibt es auch viele andere Pharmaunternehmen, die für ihre Medikamente einen sehr hohen Preis verlangen.

freie preisbildung

Die freie Preisbildung hat ihr gutes Recht. Denn Unternehmen dürfen im ersten Jahr, nachdem sie ein Medikament auf den Markt bringen, den Preis frei bestimmen. Erst dann wird der vorgeschlagene Preis durch die GKV-Spitzenverbände angepasst.

So hat sich der Prozess bei dem Mittel gegen Hepatitis C wie folgt entwickelt: Der Preis wurde zunächst einmal um knapp 27 Prozent gesenkt. In Europa kostet eine vollständige Behandlung nun um die 43 000 Euro anstatt 60 000 Euro. Der Grund dafür, dass das Unternehmen den Preis so hoch ansetzen kann ist, dass es keine Konkurrenz gibt. Gilead hat in Europa das Patent auf den Wirkstoff, daher dürfen keine anderen Unternehmen Generika (Medikamente mit demselben Wirkstoff nur von anderen Pharmaunternehmen) herstellen. In anderen Ländern kostet eine solche Behandlung wesentlich weniger als hier, laut der Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

preispolitik

Die Frage bleibt, ob es gerechtfertigt ist, so viel Geld für ein Arzneimittel zu verlangen. Selbstverständlich steckt hinter der Produktion und der Entwicklung sehr viel Aufwand, der mit viel Arbeit und somit auch hohen Kosten verbunden ist. Trotzdem halten viele Nichtregierungsorganisationen, wie Ärzte ohne Grenzen, den Preis für wesentlich zu hoch.

Lieferengpässe

Neben dieser „Hochpreispolitik“ bereiten Lieferengpässe von vielen anderen Arzneimitteln den Apothekern und Verbrauchern ebenfalls Schwierigkeiten.

Lieferengpässe haben verschiedene Ursachen. Zum einen verkaufen deutsche Unternehmen ihre Produkte lieber ins Ausland, da sie dort mehr Profit machen können. Zum anderen steht die Produktion teilweise still, wenn Pandemien, wie zurzeit das Corona-Virus, ausbrechen und manchmal kann auch aufgrund mangelnder Qualität eine Charge nicht ausgeliefert werden. Durch das Auftreten von Lieferengpässen gelangen Medikamente nicht an die Großmärkte, nicht an die Apotheken und können so nicht an die Patienten ausgehändigt werden

Das kann zu unüberschaubaren Problemen führen. Denn nicht nur „einfache“ Schmerzmittel wie Ibuprofen sind derzeit nicht lieferbar, auch Antidepressiva, Blutdrucksenkungsmittel und Arzneimittel gegen Angststörungen und Panik sind von Lieferengpässen betroffen.

Folgen

Wenn nun ein Patient mit Depressionen oder extremen Angststörungen keine Medikamente einnehmen kann, führt dies unter anderem zu Krankmeldungen, Arbeitsausfällen und beeinflusst so auch die Wirtschaft. Insofern leiden nicht nur die Patienten, sondern auch die Wirtschaft. Auch die Apotheken leiden darunter. Sie können manche Medikamente nicht vertreiben und aufgrund bestimmter Exklusivverträge zwischen Krankenkasse und Pharmaunternehmen den Kunden nicht einmal Generika anbieten.

Kleine Apotheken können von ihrem normalen Sortiment nicht Gebrauch machen. Lieferengpässe stellen insofern ein viel größeres Problem dar, als die „Hochpreispolitik“ der Pharmaunternehmen, weil das Medikament nicht mehr verfügbar ist.

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