Delmenhorst Nach Definition der Europäische Union ist arm, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Netto-Einkommens verfügt. Für eine alleinerziehende Person mit zwei Kindern sind das in Deutschland etwa 1440 Euro. Bundesweit fallen 45 Prozent aller Kleinfamilien unter die Armutsgrenze. Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Familien mit Migrationshintergrund sind in Delmenhorst besonders betroffen.

Hartz-IV-Leistungen erhalten in Delmenhorst 26,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren (Stand Juli 2019). Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man Teilgruppen näher betrachtet. Bei Kindern unter drei Jahren liegt die Quote in Delmenhorst bei 28,1 Prozent, im Landesdurchschnitt bei 15 Prozent. Bei den Drei- bis Sechsjährigen steigt die Quote auf 29,4 Prozent weiter an und sinkt dann bei den Sechs- bis 15-Jährigen auf 26,6 Prozent ab. Hinzu kommt: Armut ist in der Regel nichts Vorübergehendes.

Bei mehr als 54 Prozent der Sieben- bis 15-Jährigen im Land Niedersachsen dauerte der Hartz-IV-Bezug bereits drei Jahre und länger. Ähnlich hoch wie in Delmenhorst sind die Werte in Wilhelmshaven und Emden, noch höher im benachbarten Bundesland Bremen, sagt Dr. Antje Richter-Kornweitz von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen. „Die Problemlage Kinderarmut ist in Delmenhorst schon lange Thema.“ Bereits 2007 installierte die Stadtverwaltung in Kooperation mit verschiedenen freien und schulischen Trägern ein präventionsorientiertes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Situation von benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Familien. Die Armut der Kinder spiegele die Armut und Arbeitslosigkeit der Eltern wider, sagte Bernd Schneider, Sprecher der Bremer Sozialsenatorin. Kinderarmut ist in jeder Umgebung spürbar, aber oftmals nicht offensichtlich. Jedes Kind verbindet Weihnachten mit Geschenken, doch nicht jede Familie hat die Möglichkeiten, ihren Kindern die Weihnachtswünsche zu erfüllen. Aus diesem Grund gibt es seit 2010 die „Kinderwunsch-Baum“-Aktion in Delmenhorst. Delmenhorster Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren haben die Möglichkeit, einen kleinen Wunsch im Wert von maximal 25 Euro auf einen Wunschzettel zu schreiben und diesen im Familien- und Kinderservicebüro abzugeben. Die Wunschzettel können dann von Bürgern mitgenommen und erfüllt werden.

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