Dötlingen Nach rund 90 Minuten zeigte sich Moderatorin Ute Meinert-Kaiser erstaunt: „Corona steht nicht auf der Tagesordnung“, stellte das Vorstandsmitglied des Dötlinger Vereins Wi helpt di fest. Stattdessen interessierte die rund 20 Zuhörerinnen und Zuhörer während der Auftaktveranstaltung zur Reihe „Älter werden in unserer Gemeinde“ alltagsnahe Beispiele. Sieben Experten standen im Dötlinger Hof Rede und Antwort.

Dosierhilfe für August

Veranstalter „Wi helpt di“ lud ein Axel Günther und Nina Willers (Pflegekasse AOK), Haik Westendorf (Palliativstützpunkt Landkreis Oldenburg und Delmenhorst), Margret Müller (Geest-Apotheke in Neerstedt), Dr. Manfred Schwarz (Landärzte-Praxis Dötlingen in Neerstedt), Inca Schröder (Seniorenstützpunkt des Landkreises Oldenburg) und Bettina Lakomiec (Pflegestützpunkt des Landkreises Oldenburg). Anhand von zwei Fallbeispielen beantworteten die Experten Fragen.  Zunächst ging es um August: 83 Jahre alt, seit kurzem verwitwet. Seine Kinder wohnen weit weg. Er nimmt verschiedene Tabletten, kommt mit der Einnahme durcheinander. Aus Angst, ins Krankenhaus zu müssen, nimmt er immer mehr Schmerztabletten. „Wäre es ein Patient, den wir kennen, wäre er nicht alleine“, versicherte Dr. Schwarz. Würde die Gemeindeschwester, die für die Landärzte-Praxis arbeitet, Augusts Umstände bemerken, würde sie der Praxis Bescheid geben. „Wir kontaktieren dann die Angehörigen.“ Dann werde geschaut, welche Hilfe für August nötig ist. Schwarz vertritt die Ansicht: Das Verlassen der eigenen vier Wände sei die allerletzte Lösung.

Zukunft der Ärzteversorgung

Zur Zukunft seiner Landärzte-Praxis beziehungsweise der Ärzteversorgung wurde Dr. Manfred Schwarz während der Versammlung befragt. „Ich muss die Frage offen lassen“, sagte er. „Mein Anliegen ist es, den Standort in Neerstedt aufrecht zu erhalten.“

Wie berichtet, schließen Schwarz und Dr. Ansgar Schmidek die Praxis zum 30. Juni. Die Gemeinde teilte mit, dass eine Nachfolgerin zum 1. Oktober gefunden sei.

Apotheken-Betreiberin Müller würde dem 83-Jährigen eine Dosierhilfe für die Tabletten an die Hand geben. Ansonsten gelte: „Wir kennen unsere Kunden.“ Würde sie bemerken, dass August zu häufig starke Medikamente nimmt, würde sie ihm raten, zum Arzt zu gehen.

Auf individuelle Beratung und darauf, die Angehörigen ins Boot zu holen, setzt Lakomiec vom Pflegestützpunkt. Die Voraussetzung sei, dass die Person die Hilfe annimmt.

Bevor sie August beraten würden, würden sie sich über seine Situation informieren, erklärten die AOK-Mitarbeiter Günther und Willers. Günther: „Es wäre fatal, wenn wir das nicht machen würden.“ Der Kontakt zu Angehörigen oder Nachbarn würde gesucht, Dinge wie die Vorsorgevollmacht geregelt. Auch werde geschaut, wie August in Folge weiter betreut würde. Willers dazu: „Wir stellen nur die Weichen.“   Auf das Thema Palliativpflege ging Westendorf beim zweiten Beispiel ein: Die 77-jährige Henriette war an Brustkrebs erkrankt. Sie hat starke Schmerzen, die Ärzte können nichts mehr für sie tun. Westendorf und ihre Kollegen begleiten unheilbar, schwer erkrankte Menschen. „Wir sind aber nicht die 112 – deshalb ist es wichtig, mit den Menschen vorausschauend zu arbeiten.“ Der Palliativdienst wolle der Familie Sicherheit geben, den Angehörigen die Angst nehmen. Der Begriff Lebensqualität ändere sich für Patienten wie Henriette: Früher war Lebensqualität in den Urlaub zu fliegen, heute das Einkaufengehen ohne Hilfe.

Wohnberater ausbilden

Auf ihre Arbeit im Seniorenstützpunkt ging Schröder schließlich ein: Derzeit würde der Stützpunkt unter anderem Wohnberater ausbilden, die Senioren zeigen, wie sie barrierefrei wohnen können. Zudem würden Leute anrufen, um sich über Betreuungsmöglichkeiten beraten zu lassen.

Die nächste Veranstaltung „Älter werden in der Gemeinde“ findet am 6. Mai, 17 Uhr, im Dötlinger Hof statt.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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