Hamburg Zahlen und Zeichen auf kariertes Papier schreiben - so sieht Mathe-Unterricht meistens aus. Wenn Nikhil Aufgaben rechnet, macht er das auf seinem Tablet-PC oder Smartphone. Mit den Fingern zeichnet er geometrische Figuren auf den Bildschirm. Oder er tippt Gleichungen in ein Rechen-Programm ein. Nikhil und seine Mitschüler der 6. Klasse nutzen die Geräte wie Bleistift und Geodreieck.

In Nikhils Schule in der Stadt Hamburg sind Smartphones im Unterricht erlaubt. Die Schüler sollen dort lernen, wie man die Geräte sinnvoll nutzt. „Schüler und Lehrer sind auf dem ganzen Schul-Gelände mit dem Internet verbunden. Dadurch können alle auf unsere Lern-Plattform zugreifen“, sagt Dietmar Kück. Er ist Nikhils Mathe-Lehrer.

Auf dieser Plattform können die Schüler unter anderem Vokabeln lernen und ihre Hausaufgaben erledigen. Außerdem erfahren sie, was in den kommenden Stunden dran kommt. Und die Lehrer sehen, ob ihre Schüler im Unterricht alles verstanden haben und was sie noch einmal üben sollten.

Im Mathe-Unterricht der 6. Klasse geht es gerade um Winkel. Nikhil lädt dafür ein paar Fotos auf die Plattform, die er am Vortag geknipst hat. „Wir sollten alle möglichen Winkel fotografieren“, sagt der Elfjährige. „Rechte Winkel gibt es überall. In Fenstern und Türen und so weiter. Stumpfe und spitze Winkel waren nicht so leicht zu finden.“ Die entdeckten die Kinder zum Beispiel in manchen Verkehrs-Schildern.

Dass Kinder ihre Smartphones im Unterricht verwenden, finden manche Eltern und Lehrer nicht gut. Sie meinen: Die Schüler verbringen zu viel Zeit vor den Geräten. Sie können in einem Test heimlich etwas nachgucken. Spiele und Chat-Programme lenken ab. „Es kommt schon vor, dass jemand mal eine Nachricht während der Stunde schreibt“, sagt Nikhil. Aber meistens wische er die Meldungen gleich weg, die er bekomme.

„Die Schüler lernen schnell, dass sie sich nicht zu sehr ablenken lassen sollten“, sagt Dietmar Kück. „Dazu haben wir Regeln für die Smartphones im Unterricht aufgestellt.“ Er findet sie viel nützlicher, als dass sie Ärger bereiten.

Viele Politiker sehen das ähnlich. Die Schulen in Deutschland sollen darum bald Geld bekommen. Um etwa die Klassenräume mit Internet-Zugängen auszustatten oder neue Technik anzuschaffen. Damit die Schüler in der Schule lernen, wie sie sich im Netz zurechtfinden und verhalten. Das könnte bald so wichtig sein wie Lesen und Schreiben, sagen manche Fachleute.