Mainz Sie sind klein, vollgestopft mit Erinnerungen und geraten trotzdem schnell ins Vergessen: Smartphones. Rund 54 Millionen Menschen in Deutschland nutzen inzwischen ein internetfähiges Mobiltelefon. Das zeigt eine repräsentative Befragung des IT-Verbands Bitkom von 1005 Bundesbürgern ab 14 Jahren. Doch nicht nur neue Modelle verkaufen sich gut, auch die Nachfrage nach gebrauchten Smartphones steigt. Verbraucher sollten sich vor dem Kauf allerdings gut informieren.

Wann eignet sich ein gebrauchtes Smartphone?
Ein gebrauchtes Smartphone sei vor allem sinnvoll für Einsteiger und jene, die nicht unbedingt das neueste Modell brauchen, erklärt Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Da kann man durchaus mal ein Schnäppchen machen, um ein Smartphone zu haben, das nicht auf dem neuesten Stand und brauchbar ist.“

Auch für Umweltbewusste lohne sich so ein Kauf, sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Gebrauchtwaren zu kaufen, ist besonders nachhaltig, weil eben kein neues Produkt extra hergestellt wird.“ Die Herstellung koste in der Regel mehr Energie, als das Gerät in seiner Lebensdauer an Strom verbraucht.

Wer sich ein gebrauchtes Smartphone kaufen will, sollte allerdings auf das Alter achten. Oft erhielten die Geräte schon nach zwei bis drei Jahren keine Sicherheitsupdates mehr, sagt Alexander Kuch vom Telekommunikationsportal „Teltarif.de“. „Dann sollte man überlegen, ob die Sicherheit nicht wichtiger ist als die Nachhaltigkeit.“

Mit Blick auf das Produkt rät Andreas Seeger von der Zeitschrift „Connect“ dazu, auf bekannte Marken zu setzen. „Hier ist der Software-Support am besten, und die Wahrscheinlichkeit ist am größten, dass ein Update auf eine aktuelle Version angeboten wird.“

Wie viel Geld können Verbraucher sparen?
Für neue Smartphone-Modelle von Apple, Sony und Co. müssen Verbraucher tief in die Tasche greifen. Das Galaxy S7 kostet beim Hersteller Samsung zum Beispiel 599 Euro. Da lohnt sich ein wenig Geduld: Ein Jahr nach Verkaufsstart gibt es bei Online-Händlern die gebrauchten Galaxy-Modelle schon für den halben Preis.

Und sogar kurz nach dem Verkaufsstart purzeln die Preise für aktuelle Smartphones, schreibt das Internetportal „Sparwelt.de“. Bereits nach einem Monat sinken die Kosten für ein Modell teilweise um mehr als zehn Prozent. Das gilt aber zum Beispiel nicht für Apple-Geräte, deren Wiederverkaufspreis meist recht hoch ist.

Der Kaufpreis richte sich immer nach dem Alter und Zustand des Geräts, sagt Seeger. Generell sollte das Gebrauchtgerät aber nicht mehr als 60 Prozent des Neupreises kosten.

Wo finden Käufer die besten Angebote?
Nur wenige Hersteller verkaufen gebrauchte Geräte. Solche Angebote sind meist mit der Bezeichnung „refurbished“ versehen. Es gibt aber einige Online-Plattformen zum An- und Verkauf von Gebrauchtwaren wie Rebuy, Momox oder das deutsche Unternehmen Zoxs. Dort werden die Smartphones gekauft, geprüft und wiederverkauft.

Es lohnt sich auch ein Blick auf die Internetseite von großen Elektronik-Händlern, empfiehlt Alexander Kuch. „Sie bieten oft Versandrückläufer zu einem günstigeren Preis an. Meist ist das Smartphone nur kurz ausprobiert und dann zurückgeschickt worden. Derartige Angebote sind meist als B-Ware gekennzeichnet.“

Auch auf Seiten wie Ebay, Ebay Kleinanzeigen und Amazon gibt es gute Angebote. Verbraucher sollten sich dabei den Verkäufer genau ansehen. „Generell gilt: Der Kauf über einen Händler ist sicherer. Beim Privatkauf gehen Sie ein größeres Risiko ein“, sagt Seeger.

Welche Verkäufer sind vertrauenswürdig?
Bei Händlern sollten Käufer auf Kundenbewertungen, Service- und Garantiebestimmungen achten, sagt Michael Gundall. „Gibt es ein Impressum, oder ist irgendwo eine Service-Adresse angegeben? Ist die Internetadresse auf die Person registriert, die im Impressum steht? Und wenn eine Bezahlung ausschließlich per Vorkasse möglich ist, dann wäre ich vorsichtig“, sagt er.

Händler in Deutschland müssen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ein Jahr Gewährleistung auf Gebrauchtwaren bieten. Das bedeutet: Ist das Gerät beschädigt, ohne dass der Käufer darüber vorher informiert wurde, muss der Händler es reparieren oder das Geld zurückerstatten. In einigen Fällen können Käufer sogar Schadenersatz verlangen.

„Es gibt Händler, die das nicht geben wollen oder versuchen, sich herauszureden“, sagt Gundall. In diesem Fall sollten Verbraucher möglichst viele Beweise sammeln. Diese sind nötig, wenn der Händler behauptet, der Verbraucher habe den Schaden verursacht. „Man sollte die Schäden unter Zeugen protokollieren, das Angebot im Internet fotografieren und die Seriennummer des Geräts notieren“, rät Gundall.

Bei privaten Verkäufern sollten Verbraucher darauf bestehen, dass Rechnung und Originalverpackung mitgeliefert werden, so kann etwa Diebstahl ausgeschlossen werden. Besonders riskant sind Privatkäufe, bei denen der Verkäufer vorab die Gewährleistung ausgeschlossen hat. „Anders sieht das aus, wenn Mängel bewusst verschwiegen werden“, sagt Seeger. Aber: „Wenn der Verkäufer dann nicht kooperationsbereit ist, haben Sie den Aufwand und müssen Ihre Rechte mittels Anwalt durchsetzen.“

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