Oldenburg Auf einem guten Klassentreffen sieht man viele bekannte Gesichter, leicht gealtert, das eine besser, das andere schlechter. Man lässt die alten Zeiten hochleben, nimmt aber auch das Neue mit. Man erträgt die Angebereien und genießt die bescheidenen Erzählungen, begräbt alte Kriegsbeile und schließt neue Freundschaften. Und am Ende verlässt man das Treffen mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Nostalgischer Rundgang über Melee Island

Wie ein gutes Klassentreffen ist auch „Return To Monkey Island“. Der lang ersehnte sechste Teil der Adventure-Reihe des Erfinders Ron Gilbert ist jetzt auf PC und Switch erschienen. Das Besondere: Nach dem zweiten Teil 1991 war Gilbert nicht mehr mit von der Partie. Somit gilt das jetzt erschienene Spiel irgendwie eher als Nachfolger von Teil 2. Zum modernen Gameplay gesellt sich also auch jede Menge Nostalgie.

Der Kopf hinter dem Spiel: Ron Gilbert. Bild: Devolver Digital

Die Spielenden bewegen den Möchtegern-Piraten und Antihelden Guybrush Threepwood – leicht gealtert, aber immer noch voll jugendlichem Tatendrang – über Melee Island und treffen auf viele Charaktere, die in den vorigen Teilen immer wieder aufgetaucht sind. Hier fühlt sich das Spiel wirklich wie ein Klassentreffen an, bei dem jeder Satz mit „Was hast du dich verändert“ oder „Dich habe ich ja Ewigkeiten nicht mehr gesehen“ beginnt. So klingen auch die Dialoge, die – auf Englisch, eine deutsche Sprachversion gibt es nicht – mit viel Sinn für Humor und Lust am Witz gesprochen sind.

Lesen Sie auch:
Benutze Huhn auf Kabel – warum „Monkey Island“ ein Videospiel-Schatz ist
Oldenburger Computer Museum
Benutze Huhn auf Kabel – warum „Monkey Island“ ein Videospiel-Schatz ist

Doch „Return To Monkey Island“ ist keine bloße Nostalgiesuppe, die nach dem dritten Löffel fad wird. Dafür sorgt auch der Grafikstil, der sich vom Pixelstil der alten Teile löst und bei Fans nicht unumstritten war. Nach wenigen Minuten Spielzeit hat man ihn aber nicht nur akzeptiert, sondern liebgewonnen.

Neue Steuerung hilft beim Lösen von Rätseln

Auch die Steuerung ist der Moderne angepasst. Statt der Verben-Liste „Benutze“, „Gehe zu“, „Öffne“, „Sprich mit“ etc. sind sämtliche Aktionen im Spiel mit dem Mauszeiger verbunden. Wenn man einen Gegenstand mit dem Pfeil erfasst, schlägt das Steuerungssystem vor, ob die Tür geöffnet, der Pirat angesprochen werden oder das Buddelschiff angestubst werden soll. Das macht das Spiel erheblich flotter und erleichtert das Lösen der Rätsel. Vorbei sind die Zeiten, als jeder noch so nutzlose Gegenstand, wie z.B. ein gigantischer Q-Tip oder Wachslippen, im Spiel gedrückt, gezogen oder mit Stans Visitenkarte benutzt werden musste.

Das Spiel dreht sich um „Monkey Island“. Der heimliche Star der „Monkey Island“-Reihe ist jedoch „Melee Island“, wo Guybrush sich als erstes umschaut. Bild: Devolver Digital

Auch Guybrush erkennt, dass die Insel, die durch Farbgebung und Begleitmusik trotz angepasster Grafik vertraut wirkt, dennoch eine andere geworden ist. Die Gouverneurin ist neu, eine Schlosserin und ein (altbekannter) Kartenmacher sind auf die Insel gezogen. Und schließlich: Eine jüngere Generation hat die Ruder in der Hand. Die Piratenanführer, drei Grog trinkende weiße Männer, haben die Macht abgegeben, verdingen sich nun im Fischhandel. Ihre Stellung übernommen haben ein schwarzer Pirat und zwei Piratinnen.

Monkey Island ist weiblich

Überhaupt spielen weibliche Charaktere eine riesige Rolle: Neben Guybrushs (mittlerweile) Ehefrau Elaine und der altbekannten Voodoomeisterin, die im Spiel erstmals ihren Namen verrät, sitzen zahlreiche Piratinnen in der Scumm Bar, besteht Geisterpirat Le Chucks (der natürlich nicht fehlen darf) Geistermannschaft zur Hälfte aus Frauen, und der Gouverneursposten von Melee Island ist – wieder – weiblich besetzt. Auch hier ist das Spiel im Jahr 2022 angekommen.

Sie mag nur eine (wichtige) Nebenrolle spielen, aber ist eine der vielen weiblichen Charaktere in „Return To Monkey Island“: Elaine Marley, Guybrushs Frau. Bild: Devolver Digital

Das Hinweis-Buch gibt... nun, Hinweise

„Return To Monkey Island“ zu spielen, macht mächtig Spaß. Es hilft, die älteren Teile zu kennen, um manche Anspielung zu verstehen. Doch auch ohne diese Vorkenntnis dürften der Humor und die zahlreichen Rätsel viele Spielenden packen. Wer an einem Rätsel verzweifelt und gefühlte Ewigkeiten von Ort zu Ort rennt, auf der Suche nach hilfreichen Gegenständen oder Geistesblitzen, kann auf ein Hinweis-Buch zurückgreifen. Es bietet Denkanstöße und hilft somit, den Spielspaß nicht zu verlieren. Die Alternative wäre eine Suche bei Google – und die Ergebnisse dürften vor Spoilern nur so strotzen. Oder, wie die Voodoomeisterin sagt: „Zu viel Wissen schmälert die Freude an der Reise.“

Wer sich auf die Reise zurück nach Monkey Island begibt, wird nicht enttäuscht sein. Was in früheren Teilen gut war, bleibt erhalten. Was die Gegenwart ausmacht, wird integriert. Und diese Mischung aus Früher und Heute ist es, die dem Spielenden keine andere Chance lässt, als immer ein Lächeln auf den (Wachs)lippen zu tragen.

Christian Schwarz Redakteur / Online-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.