Oldenburg Die Basketball-Simulationen von NBA 2k gehören seit Jahren zu meinem Standardrepertoire. Die eigene Hüftsteife und ein zu grobschlächtiges Händchen haben die Basketball-Karriere in der Realität früh beendet. Auf der Spielekonsole läuft alles wie geschmiert, sitzen die Dribblings, krachen die Dunks. NBA 2k23 ist die erste Version, die ich auf der Playstation 5 gespielt habe. Und das habe ich erlebt:

Michael Jordans Karriere

Eine der Neuheiten ist eigentlich ein alter Hut: Bei der „Jordan Challenge“ gilt es, Stationen der Karriere des wohl größten Basketballers aller Zeiten, Michael Jordan, nachzuspielen: zum Beispiel 63 Punkte gegen Boston 1986, das unverhoffte Dreier-Festival gegen Portland 1992 oder der Wurf gegen die Utah Jazz, der den Chicago Bulls 1998 den sechsten NBA-Titel brachte. All das gab es vor elf Jahren schon einmal, kommt aber nun mit der aktuellen Technik und Grafik noch einmal realistischer daher.

Ein besonderer Clou: Die historischen Spiele werden auch in der zu der Zeit üblichen Übertragungsqualität sowie der Originalschrift dargestellt. Das ist zwar ein feines Detail, doch die HD-Qualität gewohnten Augen von 2022 haben durchaus Probleme, sich mit dem TV-Bild von 1984 anzufreunden. Zum Glück lässt sich die Option ausstellen.

Wer ganz viel Lust auf nostalgische Sportgefühle verspürt, kann die NBA-Vergangenheit neu aufleben lassen: Von den 1980er-Jahren an lassen sich historische Saisons nachspielen (bzw. simulieren) und dadurch eine alternative Gegenwart erstellen. Denn die Stars des Spiels, von Gary Payton über Kevin Garnett bis LeBron James, tauchen in dieser Simulation im selben Jahr auf wie in Wirklichkeit – nur werden sie von anderen Teams gedraftet. Eine schöne Idee, die die Frage beantwortet: Was wäre wenn?

My Career: Viel Klamotten, viel Stadt, viel City

Im Fokus der Basketballspiele-Reihe steht seit Jahren ohnehin etwas anderes: „My Career“. Hier erstellen sich Spieler einen Avatar, gerne auch ein Abbild ihrer selbst inklusive eigenem Gesicht, der den Weg vom NBA-Rookie zum Superstar durchlebt. Standen in früheren Jahren vor allem die langwierige Entwicklung der Stärken des Spielers und seine Leistungen in der NBA-Saison im Vordergrund, sind es nun gänzlich andere Dinge: Da kauft man für die virtuelle Währung Klamotten und Tattoos, nimmt an Online-Spielen auf diversen Street Courts teil und muss auch neben dem Spielfeld alles dafür tun, den Wert der eigene Marke zu steigern.

Sieht schön aus, es gibt eine Menge zu entdecken und (vor allem) zu kaufen: die Stadt in „My Career“. Aber wollten wir nicht eigentlich Basketball spielen?

All das passiert im Umfeld einer Stadt inklusive U-Bahnsystem, durch die der Spieler seinen Avatar bewegen muss. Erinnert ein bisschen an Spiele wie GTA V, nur dass es hier friedlich bleibt. Die Story, die in „My Career“ erzählt wird, hat durchaus ihren Reiz: Denn der Spieler ist zunächst einmal ein von den eigenen Fans gehasster Neuling. Eigentlich hätten diese lieber den Rivalen im Team gesehen. Von ganz unten gilt es nun sich nach oben durchzubeißen (und dabei cool auszusehen und die besten Werbedeals abzusahnen, nicht zu vergessen). Ach ja: Und dafür wird dann auch Basketball gespielt.

Fantastische Konturen

Denn wer nur wegen der Story und des Sportmarketings zu NBA 2k23 greift, dem ist nicht zu helfen. Es geht vor allem um das Spiel mit dem Ball! Und das kommt, wie eigentlich immer, sehr realistisch daher. Die Konturen der Gesichter und der Muskeln sind – zumindest auf der PS5 – noch klarer zu erkennen. Dazu kommen etliche neue Dunkings und Dribblings, die dem Spieler noch mehr Möglichkeiten geben. Sie in ihrer vollen Bandbreite auszunutzen, ist aber wohl eher etwas für Zocker mit sehr viel Zeit.

Alle anderen freuen sich, gerade auch aus Zeitgründen, dass die Halbzeitshow in den normalen Freundschaftsspielen gegeneinander abgespeckt wurde: Das TV-Team rund um Shaquille O’Neal, Ernie Johnson und Kenny Smith fehlt, und auch die Zwischensequenzen scheinen weniger geworden zu sein. Ein Plus für alle, die einfach nur spielen wollen.

Beim nächsten Mal mehr Energie in flüssige Bewegungen stecken

NBA 2k23 bringt wieder all das mit, was der basketballaffine Konsolenspieler so liebt. Und dennoch würde man sich wünschen, es würde mehr Energie in die Weiterentwicklung des Spiels an sich gesteckt und weniger in den Storymodus oder den Kartensammelmodus „My Team“. Bei aller grafischen Genauigkeit der Spielergesichter auf dem Feld könnten deren Bewegungen manchmal noch ein bisschen flüssiger daherkommen.

Dass das möglich ist, wird beim Intro zur „Jordan Challenge“ deutlich: Denn dort wird der oben bereits angesprochene letzte Wurf von Michael Jordan in den Finals 1998 gezeigt. Zu sehen ist jedoch kein Video, sondern eine komplett animierte Version. Die Unterschiede sind beinahe nicht zu erkennen.

Christian Schwarz Redakteur / Online-Redaktion
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