Oldenburg Mit „Maneater“ erscheint dieses Jahr sicherlich eines der skurrilsten, aber auch interessantesten Titel, die es jemals gab. Ein Open-World-Hai-Rollenspiel – so etwas kann man doch nicht ernstnehmen, oder? Das muss man auch gar nicht. Denn die Entwickler selbst zeigen im Spiel, dass es hier nicht darum geht, ernstgenommen zu werden, sondern vielmehr darum, so viel Spaß wie möglich zu haben.

Die Prämisse ist einfach. Das Spiel stellt uns als Teil einer Dokumentation über Haie (Maneater) und Hai-Jäger (Sharkhunter) vor, nur dass wir nicht der Jäger, sondern der Hai sind. Während wir am Anfang im Tutorial noch unsere Mutter spielen, bekommen wir gleich den Charme des Spiels mit. Ein Kommentator der Serie beschreibt alles, was wir tun, mit einem zum Teil leicht sarkastischen Ansatz. Nach kurzer Zeit wird unser Muttertier dann von Scaly Pete, einem gefürchteten Hai-Jäger, gefangen und getötet. Doch wir können entkommen, und als kleinen Vorgeschmack nehmen wir ihm seine Hand.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt unser Weg vom Babyhai zum absoluten Schrecken der Meere. Immer begleitet von einem Kamerateam, welches uns zwar selbst begleitet, aber auch immer wieder zeigt, wie Pete Jagd auf uns macht. Diese kleinen Story-Einwürfe schaffen es auch zu späteren Zeitpunkten, mit viel Humor die Ernsthaftigkeit zu trumpfen. Generell bringen die Kommentare des Erzählers einen immer wieder zum Schmunzeln.

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Maneater – vom Babyhai zum Monster

Als kleiner Hai müssen wir natürlich erst einmal lernen zu überleben, und überleben heißt: fressen! Durch das Fressen von Fischen erhalten wir Erfahrungspunkte, die durch Levelaufstiege unser Wachstum voranbringen. So werden wir immer größer und können uns nach und nach auch mit stärkeren Feinden anlegen. Während uns am Anfang ein Alligator im Sumpfgebiet noch ziemlichen Respekt einflößt und ein schnelles Wegschwimmen die einzige Chance ist, diese Begegnung zu überleben, sind Alligatoren später eher so etwas wie ein kleiner Snack für zwischendurch.

Bei Maneater gilt: Hauptsache fressen! Foto: Koch Media

Doch auch Aufgaben geben uns die Möglichkeit, Erfahrungen zu erlangen. Allerdings haben diese immer damit zu tun, jemanden oder etwas zu fressen. Hier gibt es drei verschiedene Arten. Ein spezielles und starkes Exemplar einer Rasse vertilgen, sich die Nahrungsquelle eines Fressfeindes einzuverleiben oder ein paar menschliche Snacks zu sich zu nehmen. Dies bietet zwar nicht wirklich Abwechslung, macht aber einen „Hai“-denspaß. Doch dies sind nicht alle Wege um aufzusteigen oder uns weiterzuentwickeln.

Maneater brilliert mit Popkultur

Kein Open-World-Spiel kommt heute noch ohne Sammelaufgaben aus – auch Maneater nicht. Daran kann man sich als Spieler sicherlich stören, jedoch kann es auch eine Chance für den Entwickler sein, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Während die Nummernschilder im Spiel einfach nur nutzlos sind, gibt es auch noch Kisten mit Nahrung, die uns helfen, schneller aufzusteigen.

Die wirklichen Highlights sind aber die Sehenswürdigkeiten. Hiervon gibt es in jedem Gebiet eine gewisse Anzahl. Nicht nur, dass sie uns nach dem Einsammeln im Gebiet eine besondere Belohnung gewähren, so sind auch die Sehenswürdigkeiten selbst etwas wirklich Besonderes. Jede Einzelne erzählt eine kleine Geschichte, die vom Kommentator schön sarkastisch rübergebracht wird und dabei haufenweise Anspielungen auf die Popkultur bietet. Ob es drei große Muscheln unter Wasser sind, die einmal „das Toilettenpapier“ ersetzen werden, oder ein riesiges Tor, welches mit Ketten verschlossen mitten im Golf liegt. Hier hat man sich richtig Mühe gegeben, dem Spieler etwas zu bieten. Wenn Sammelaufgaben doch nur immer so intelligent gestaltet wären.

Ein bisschen Mutagen muss sein – und Niedertracht zählt

Im Laufe des Spiels werden wir nicht nur größer, sondern können unseren Hai auch mit Mutagenen und Anpassungen aufwerten. Insgesamt haben wir acht Plätze. Fünf davon sind für spezifische Teile des Hais (Rumpf, Kopf, Rückenflosse, Hinterflosse und Zähne), drei für Mutagene. Sobald wir etwas freigeschaltet haben, können wir es anlegen und auch verbessern. Dies erhöht dann unseren Widerstand, unseren Schaden oder unsere Geschwindigkeit. Natürlich werden noch weitere Werte beeinflusst. Durch das Anlegen und auch durch das Aufwerten verändert sich das Aussehen unseres Hais deutlich. Leider ist die Anzahl der Sets ziemlich begrenzt.

Maneater bietet wunderschöne Unterwasserwelten. Foto: Koch Media

Eine Möglichkeit an neue Mutagene und Anpassungen zu kommen, ist das Jagen von Hai-Jägern. Jedes Mal, wenn wir uns ein paar Menschen als kleinen Appetithappen gönnen, rücken die Hai-Jäger aus. Diese verfolgen uns mit Booten und versuchen uns zu fangen. Jedoch darf uns für eine Mission kein Jäger in die Quere kommen. Sobald wir Jäger verspeisen und deren Boote zerstören, steigt unser Niederträchtigkeitsrang. Wenn dieser voll ist, kommt ein besonderer Jäger und versucht uns zu erlegen. Nachdem wir dessen Boot versenkt haben, geht das Ganze wieder von vorne los. Zwar ist es eine nette Abwechslung für zwischendurch, und gerade in kleinerem Zustand können die Jäger zu einer wahren Bedrohung werden, jedoch hat gegen Ende des Spiels selbst eine ganze Flotte keine Chance mehr gegen uns, und die einzige Herausforderung besteht darin, keinen Krampf in der Hand zu bekommen.

Acht Welten zum Staunen

Auf unserem Weg zum Schrecken der Meere durchqueren wir insgesamt acht verschiedene Gebiete mit unterschiedlichem Design. Als kleiner Hai, allein gelassen im Sumpf, finden wir unseren Weg durch einen mit Müll verseuchten See, über die Stadt bis hin zum Meer. Sowohl über- wie auch unter Wasser gibt es hier einiges zu sehen. Die Entwickler haben sich viel Mühe dabei gegeben, eine abwechslungsreiche Spielwelt zu erschaffen, die in einigen Momenten absolut zu beeindrucken weiß. Selbst auf der normalen Xbox One sieht das Spiel dabei noch ziemlich gut aus. Auch wenn es während des Tests immer wieder mal zu kleinen Stopps mit Ladebildschirmen kam. Auf der Xbox One X ist dieses Problem nicht aufgetreten. Gerade die Lichteffekte unter Wasser bringen einen immer wieder zum Staunen.

Fazit: Wie gut ist Maneater?

„Maneater“ ist ein faszinierendes und spaßiges Hai-RPG. Es ist kein Vollpreisspiel, und das ist auch gut so. Nach rund zehn Stunden hat man die Story abgeschlossen. Wer 100 Prozent erreichen will, muss noch mal etwa fünf Stunden obendrauf legen. Wir legen uns mit Menschen, Jägern und besonderen Fischen an, erkunden die Welt und haben einfach Spaß dabei, Chaos zu verbreiten und Blödsinn zu machen. Auch wenn „Maneater“ ein kurzes Spiel ist, so ist es seinen Preis allemal wert. Wann kommt man sonst mal dazu, als Hai seine Rache zu planen? Ich hoffe jedenfalls auf DLCs oder vielleicht sogar einen zweiten Teil. Denn wir brauchen mehr Hai-Rollenspiele.

Weitere Test zu Spielen lest ihr im Oldennerd-Blog

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