DELMENHORST Er war zu Beginn ein umstrittenes Bauwerk, der vor hundert Jahren fertiggestellte Delmenhorster Wasserturm. Das eckige, von dem Bremer Reform-Architekten Heinz Stoffregen entworfene Gebäude wollte sich so gar nicht den damaligen Konventionen unterordnen. „Rund muss er sein, und einen Hut haben wie ein Riesenpilz“, forderte zum Beispiel ein Zeitgenosse in einem Leserbrief einer Lokalzeitung. Gerüchte machten die Runde, dass im Keller des Turmes ein Verlies für Steuersünder gebaut werde und obendrauf ein Palmengarten für den damaligen Bürgermeister Erich Koch. Es dauerte aber gar nicht lange, und die Delmenhorster hatten sich an den Wasserturm, gewöhnt. Mehr noch: er wurde zum Wahrzeichen der Stadt.

An diese bewegten Zeiten erinnern will die Gästeführerin Regina Ungethüm-Meißner während dreier Führungen. Sie finden statt am Sonnabend, 27. März sowie am Mittwoch, 14. April, und am Mittwoch, 21. April, jeweils von 11 bis 12 Uhr (Dauer jeweils eine Stunde, Kosten vier Euro). Regina Ungethüm-Meißner erwartet ihre Gäste im Biedermeier-Kostüm an der Rundbank beim Wasserturm.

„Ich schlüpfe in die Rolle einer Frau, die aus Oldenburg mit der Bahn kommt und in Delmenhorst aussteigt. Einer Stadt mit vielen zugezogenen Industriearbeitern, Wohnungsnot und einem Wasserturm – in einer Stadt, in der das Geld knapp ist“, beschreibt die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, die seit 30 Jahren in Delmenhorst Gästeführungen anbietet, ihre Rolle. Große Fußwege werde es nicht geben. Auch die Besteigung des Wasserturmes sei eine freiwillige Angelegenheit. Sie werde die Führungen individuell nach ihrem Publikum gestalten, sagt sie: „Wer bei mir eine Führung mitmacht, weiß, dass jede Führung anders ist.“

Das Seidenkostüm, das Regina Ungethüm-Meißner trägt, wurde nur nach einer Bildvorlage von der Lehrerin Gerhild Mathies-Klages geschneidert. Die Haube allerdings ist ein 150 Jahre altes Originalstück aus dem Nachlass einer Delmenhorsterin.

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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