DELMENHORST Das seit August in Niedersachen geltende Gesetz zum Schutz der Nichtraucher gefährdet massiv die Existenz einiger Delmenhorster Wirtsleute. Wenn nach der bis 1. November dauernden Wohlverhaltensphase stärker kontrolliert und bestraft werde, müssten sie voraussichtlich schließen, erklärten Wirte am Montag beim Treffen des Interessenvereins Delmenhorster Gastronomen. Bisher hält sich nur gut die Hälfte strikt an das Gesetz. Baristo-Wirt Peter Willenbrock und Ebrahim Nikmehr vom La Vida setzen auch künftig auf ein „tolerantes Miteinander“ (siehe nebenstehendes Foto vom Aushang am Baristo). Damit nehmen sie möglicherweise die Schließung ihrer Betriebe in Kauf. Für das La Vida, in dem überwiegend Wasserpfeifen geraucht werden, hatte Nikmehr beim niedersächsischen Gesundheitsministerium vergeblich eine Ausnahmegenehmigung zum Rauchen von Wasserpfeifen beantragt. Er ärgert sich besonders über den letzten Satz der Absage in dem es lapidar heißt:

„Wir bedauern, dass Sie schließen müssen“.

Vereinsvorsitzender Uwe Böttcher (Lindenhof) setzt auf die Zeit nach dem 1. November, wenn das Verbot nach der dreimonatigen Übergangsphase endgültig „in den Köpfen ist“ und akzeptiert wird.

Einig sind sich die Gastwirte in ihrem Unmut über das Fehlen verbindlicher Vorschriften. Es gäbe bisher keinerlei unmissverständliche Richtlinien, an denen man sich orientieren könne, so die allgemeine Meinung. Sie müssten die Informationen zumeist aus den Medien entnehmen, moniert Speicher-Wirt Axel Freuer, ohne der Kommune die Schuld zu geben. „Die wissen es ja selbst nicht besser.“ Das soll sich ändern. Nach Angaben von Stadt-Pressesprecher Timo Frers wollen Vertreter von Polizei und Verwaltung in den nächsten Wochen Einzelheiten festlegen und unter anderem klären, wie die Gesetzesverstöße künftig geahndet werden. Bürger hätten bislang „weniger als eine Hand voll“ der Wirte angezeigt. Im Rahmen ihrer regelmäßigen Besuche würden jedoch die Lebensmittelkontrolleure ein Auge auf die Einhaltung des Gesetzes werfen und hätten beispielsweise Betriebe, in denen noch Aschenbecher auf den Tischen standen, angeschrieben und verwarnt.

Bei ihm würden die Aschenbecher als Kerzenständer genutzt, erklärte dazu mit zwinkerndem Auge ein Wirt bei der Zusammenkunft.

„Seltsamerweise haben vor allem diejenigen Wirte, die selbst Nichtraucher sind, die wenigsten Ängste“, stellte Frank Waldeck (Big Cash) fest. Angesprochen fühlte sich unter anderem der seit zwei Jahren nicht mehr rauchende Axel Freuer. Er hat mit seiner Außenbewirtschaftung ebenso wie Yüksel Devekiran (Eiscafé Palazzo) nicht nur durch ausbleibende Raucher, sondern auch durch schlechtes Wetter massive finanzielle Einbußen. Dennoch hoffen beide, dass die mit der Euro-Umstellung begonnene Durststrecke bald ein Ende hat. „Ein Drittel der Gastronomie ist bereits gestorben“, rechnet Frank Waldeck vor. Allerdings seien etliche auch schon vorher „krank“ gewesen. Und hinsichtlich des Nichtraucherschutzes hätten etliche „noch gar nichts unternommen“.

Waldeck prüft derzeit eine besondere Lösung des Raucher-Problems: Den Einbau von Rauchkabinen. Dabei handelt es sich um kleine Gästebereiche, aus denen der Rauch durch Aktivkohlefilter abgesaugt wird. Es sei allerdings noch sehr fraglich, ob sich die Mehrkosten von etlichen hundert Euro monatlich rechneten, so Waldeck.

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