Delmenhorst Eine Tagung trägt (späte) Früchte: drei Jahre nach dem Forum „Wirtschaftskrisen und Strukturwandel 1929/2009“ hat der Wissenschaftliche Beirat am Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur nach gut zehn Jahren nun einen zweiten Band herausgebracht. Der aussagekräftige Titel: Wirtschaftskrisen 1929 und 2009. Der erste Band „Migration und Erfahrung“ war im Jahr 2003 erschienen.

Die insgesamt neun Beiträge sind – bis auf einen Gastbeitrag von Harald Wixforth – alle von Beiratsmitgliedern verfasst worden. Allesamt untersuchten sie die Parallelen der Krisen von 1929 und 2009, so Herausgeber Hans-Hermann Precht. Eine der Fragestellungen habe gelautet: „Was kann man eventuell für die Zukunft lernen?“ Precht, ehemaliger Leiter des Nordwolle-Museums, weiß: „Der Nordwolle-Crash war der Ausgangspunkt der Krise.“

Infos Rund um die Veröffentlichung

Der Wissenschaftliche Beirat besteht aus Vertretern der Universitäten Oldenburg, Bremen und Osnabrück sowie der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Einige von ihnen haben im neuen Band publiziert.

Der zweite Band „Wirtschaftskrisen 1929 und 2009“ erscheint im Verlag Culturcon Medien und kostet 16,95 Euro. Er ist in allen Delmenhorster Buchhandlungen und an den Museumskassen erhältlich.

Gleich der erste Text beschäftigt sich mit der Wirtschaftskrise von 1929 bis 1931 und ihren Folgen auf Delmenhorst. Er würde auch die erschreckenden Lebensverhältnisse im Herbst und Winter 1931/32 verdeutlichen und einen engeren Bezug herstellen, sagt der Herausgeber.

Auch der zweite Beitrag entstammt Prechts Feder. Er befasst sich mit dem Prozess gegen die Gebrüder Lahusen im Spiegel der zeitgenössischen Presse. „Dazu gibt es parallel eine Theaterinszenierung“, sagt der Autor und verweist auf das Bremer Uni-Projekt „Aus den Akten auf die Bühne“. Dieses führte zu der Aufführung der Shakespeare Company „Prunk & Pleite einer Unternehmerdynastie – Der Konkurs der Nordwolle und die Bankenkrise 1931“. Dem Stück solle bald ein Begleitband mit Aufsätzen folgen, so Projekt-Mitarbeiterin Anda Nicolae Vladu.

Der Beitrag von Wixforth rückt die Frage nach dem Vertrauen in den Konsens der Sozialen Marktwirtschaft sowie den Zweifel an den Entscheidungsträgern und Wirtschaft und Politik in den Fokus. Anschließend spannt Karl Marten Barfuß einen Bogen von der Gründungszeit der Nordwolle bis zur Krise 2009 und Hans-Heinrich Bass fragt nach den „Lehren aus der Geschichte für die Wirtschaftspolitik von heute“.

Welf Werner nimmt in seinem Text „Nordatlantische Wirtschafts- und Finanzkrisen“ die außenwirtschaftlichen Ursachen von Lehman-Kollaps und Eurokrise unter die Lupe und fragt, warum gerade im Euroraum die Krise so nachhaltig gewirkt hat.

In seinem Beitrag nähert sich Dietmar von Reeken dem Vergleich der Krisen aus pädagogischer Sicht und versucht sie als Gegenstand und Anlass im Geschichtsunterricht einzubetten. Und auch Bernd Haasler verfolgt einen pädagogischen Ansatz: Jedoch geht er von einer dauerhaften Arbeitsmarktkrise und fehlenden positiven Zukunftsaussichten aus. Er hinterfragt deswegen das deutsche duale Ausbildungssystem. Schließlich blickt Jochen Oltmer unter dem Aspekt der Arbeitsmigration auf die Krisen.

„Die Beiträge sind nach akademischen Regeln verfasst worden, sollen aber ein breiteres, interessiertes Publikum ansprechen“, sagt Precht. Er hoffe, dass der nächste Band „nicht wieder zehn Jahre auf sicht warten lässt“.

Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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