Delmenhorst Über Handzettel und soziale Netzwerke hatten Dimitri Zajzev und Alexander Pfeifer auf ihre Versammlung auf dem Delmenhorster Rathausplatz, überschrieben mit „Delmenhorst wach’ auf – wir haben Angst um unsere Frauen und Töchter“, am Sonntagmittag seit Tagen aufmerksam gemacht. Es sei ein friedlicher Austausch der Delmenhorster Bürger zum Flüchtlingsthema geplant, erklärte Zajzev bereits vor Beginn der Versammlung. Zu einem Austausch sollte es aber nicht kommen: Bereits nach gut einer halben Stunde brachen die beiden Deutschrussen ihre Veranstaltung „wegen gereizter Stimmung“ ab.

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Gut 300 Personen waren der Ankündigung am Sonntag sowie einem Rundschreiben des Breiten Bündnisses gegen Rechts am Sonntag gefolgt. Dieses Bündnis hatte aufgrund der Wortwahl im Flugblatt befürchtet, dass es sich um eine rechtsradikale, fremdenfeindliche Veranstaltung handele und zu Solidarität gegen „alte und neue Nazis“ aufgerufen. „90 Prozent der Leute hier sind gegen uns“, stellte Zajzev während der Versammlung erschrocken fest. Dabei seien die beiden Deutschrussen und ihre Begleiter keine Rechtsextremen, sie seien lediglich besorgt.

Ohne technische Ausstattung versuchten die beiden Männer ihre Argumente auf dem Rathausplatz gegen die teils wütenden Aussagen der Zuschauer kundzutun – erfolglos. „Wir konnten unsere Argumente gar nicht sagen“, zog Alexander Pfeifer letztlich ein Fazit. Man habe sich nun mit dem Sprecherrat geeinigt, sich in kleinerer Runde in der Stadtkirche zusammenzusetzen, um über die Ängste und Anliegen der in den Handzetteln betitelten „besorgten Bürger“ zu diskutieren.

„Wir sind nicht gegen Flüchtlinge“, betonte Pfeifer. „Es kommen aber so viele junge Männer her, die nicht einmal gemeldet sind, und das macht Angst.“ Außerdem hätten einige Frauen Gewalt von Seiten der Flüchtlinge erfahren. „Nach meinem Einschätzen ist ihre Botschaft nicht angekommen“, bilanzierte Hartmut Nordbruch vom Sprecherrat abschließend. „Wir wissen nicht, was dahinter steckt, wir wissen eigentlich gar nichts.“ Man hoffe nun darauf, Näheres bei einem Gespräch in der Stadtkirche zu erfahren. Die Veranstaltung am Sonntag endete damit genauso spontan, wie sie begonnen hatte.

Désirée Senft Volontärin / NWZ-Redaktion
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