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Delmenhorst Experten aus Wohlfahrtsverbänden, Wissenschaft und der Medizin haben dringende politische Reformen zur Bekämpfung von Armut gefordert. Ohne ein rechtzeitiges Gegensteuern in Bund und Ländern drohe bereits in wenigen Jahren eine enorme Altersarmut, warnte der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel am vergangenen Freitag in Delmenhorst bei einer Armutskonferenz. Die Entwicklung habe aus seiner Sicht das Potenzial, die Gesellschaft zu spalten.

Die Tagung stand unter dem Titel „Reichlich am“. Hickel forderte dabei eine neue Denkweise in der Renten- und Arbeitspolitik der Bundesregierung. Die zunehmende Armut sei politisch konstruiert. Die Agenda 2012 habe den Boden geschaffen für prekäre Arbeitsverhältnisse im absoluten Niedriglohnbereich. Dies werde sich später bei den Renten als fatal erweisen. Hickel forderte eine existenzsichernde solidarische Rente. Um sie zu finanzieren sollten alle, also auch Manager, Selbstständige und Beamte, in die Kasse einzahlen.

Alle sinnvollen Vorschläge seien bezahlbar, wenn das Steuersystem gerechter werde, sagte Hickel: „Aber dazu müssen wir über das deutsche Tabuthema Reichtum sprechen.“ Derzeit verhindere ein „Schweigekartell“, dass die Anhäufung von Vermögen in den Händen Weniger gesellschaftlich thematisiert werde. „Wir brauchen dringend eine Vermögenssteuer für mehr Gerechtigkeit.“ Dann lasse sich Armut auch ohne eine Revolution bekämpfen.

Nach Ansicht des Delmenhorster Chefarztes für Kindermedizin, Johann Böhmann, muss die Bekämpfung von Kinderarmut bereits während der Schwangerschaft beginnen. Studien belegten, dass bereits dann entschieden werde, ob ein Kind mit Stress umgehen kann oder fettleibig wird. Diese Faktoren hätten einen großen Einfluss auf den späteren schulischen und beruflichen Erfolg. Dazu komme, dass insbesondere frühgeborene Kinder ein sehr viel größeres Krankheitsrisiko und erheblich mehr Lernprobleme hätten.

Die in der Politik häufig genannte These, dass Bildung der Weg aus der Armutsfalle sei, stimme nur bedingt, sagte Böhmann. Es sei geradezu „hirnrissig“, Eltern für die Krippe und Kita bezahlen zu lassen, während das spätere Studium dagegen kostenlos sei. Ab dem Tag der Geburt falle es dem Gehirn immer schwerer, neue Verknüpfungen anzulegen. Darum müssten die Krippen und Kitas in armen Stadtteilen besonders gut ausgestattet sein.

Der Delmenhorster Diakoniechef Franz-Josef Franke ergänzte, die seiner Ansicht nach falschen Fördersysteme führten zu noch mehr Ungleichheit. Auch die pädagogischen Konzepte müssten überdacht werden. In den Kitas und Schulen werde von den Eltern viel Entwicklungsarbeit erwartet – „egal ob sie es können oder nicht“. Fakt sei, dass die Förderung zuhause in benachteiligten Familien einfach nicht funktioniere: „Wir müssen die Kinder so unterstützen, dass es ohne die Hilfe der Eltern geht.“

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