Delmenhorst Politikunterricht am Max-Planck-Gymnasium in Delmenhorst: Im bilingualen Politikunterricht von Lehrer Dr. Stephan-Alexander Dietze geht es um das deutsche Grundgesetz. einige Artikel des Gesetzes werden genauer beleuchtet – zunächst verläuft der Unterricht wie in den Jahren zuvor. Doch dann gerät Artikel 3, Absatz 3 in den Fokus seiner Schüler.

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ heißt es im Wortlaut – und stößt auf große Kritik bei den Delmenhorster Gymnasiasten. „Der Rassebegriff ist nicht tragbar“, sagt Neuntklässlerin Anna Blum. Gemeinsam mit ihren Mitschülern ließ sie der verwendete Begriff nicht mehr los. Die gesamte Klasse recherchierte – und startete nun zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes eine Petition. Das gemeinsame Ziel: Das Wort Rasse durch Ethnien ersetzen.

„Den Artikel finden wir unheimlich wichtig“, stellt Annas Mitschüler Patrick Blum klar. „Wenn man Menschen aber in Rassen einteilt, setzt man sie als Wesen gleich. Deshalb würden wir hier gerne auf sprachliche Präzision setzen.“ Der Begriff lege nahe, dass Wesensmerkmale vererbbar seien. Somit würden, nach Ansicht der Schüler, körperliche und charakterliche Merkmale gleichgestellt. Deshalb wurde in einer Kleingruppe der Petitionstext verfasst.

Unterstützung erhalten die Schüler bei ihrem Vorhaben von der Schulleitung und dem Breiten Bündnis gegen rechts. „Der Rassebegriff ist nicht sehr zeitgemäß“, sagt Dr. Hans-Joachim Müller stellvertretend für das Bündnis. Auch Marco Castiglione, Fachobmann für Politik und Wirtschaft am Gymnasium, ist begeistert über das Engagement der 14- und 15-Jährigen. „Das Grundgesetz muss lebendig gehalten werden“, findet er. „Die Schüler können stolz darauf sein, was sie hier leisten“, sagt der Lehrer.

Auch den anderen Klassen wurde die Petition vorgestellt und um Unterstützung gebeten. „Wir wollten dabei aber keine Meinung vorgeben“, erklärt Patrick. Vielmehr solle jeder, der die Petition unterstützt, sich vorher selbst mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Die ersten gesammelten Unterschriften wurden am Donnerstag an Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) überreicht. „So ganz wissen wir noch nicht, was die Aktion für eine Dynamik bekommt“, sagt Patrick Blum. „Wir sind auf jeden Fall gespannt.“


Die Online-Petition unter   www.change.org/p/deutscher-bundestag-ersetzen-sie-den-begriff-rasse-im-grundgesetz 
Sönke Spille Freier Mitarbeiter Lokalsport / NWZ-Redaktion
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