Delmenhorst „Es war mein Anliegen zu zeigen, dass Platt auch was Anderes sein kann als Schenkelklopfen“, sagt Philip Lüsebrink. Als Gastregisseur bringt der 41-jährige Hamburger beim Niederdeutschen Theater Delmenhorst (NTD) das vierte und letzte Stück der Spielzeit 2017/18, „My Fair Lady – Op Platt“, auf die Bühne des Kleinen Hauses. Premiere ist am Samstag, 17. März. „Wir wollten anlässlich unseres 90-jährigen Bestehens in dieser Spielzeit etwas Besonderes machen“, sagt NTD-Pressesprecher Niklas Müller. Mit dem gelernten Opernsänger Lüsebrink, der beim NTD bereits „Otello darf nicht platzen“ in der Saison 2015/16 inszeniert hat, seiner Assistentin Christine Petershagen und dem renommierten Bühnenbildner Roland Wehner (75, Bremen) dürfte das der Delmenhorster Bühne auch gelingen.

Das Stück aus der Feder des irischen Dramatikers George Bernard Shaw erzählt die Geschichte des Londoner Blumenmädchens Eliza Doolittle. Der Sprachwissenschaftler Prof. Henry Higgins wettet mit seinem Fachkollegen Oberst Hugh Pickering, dass er die junge Frau trotz ihres schrillen Dialekts und ihrer kraftvoll-vulgären Sprache zur feinen Dame mit gepflegter Ausdrucksweise erziehen kann. Als Schauspiel erlebte die Shaw-Komödie 1913 ihre Uraufführung, im Jahr 1956 folgte ein darauf basierendes Musical.

Philip Lüsebrink macht mit der Vorlage nun etwas, was er eine „Liebeserklärung an die plattdeutsche Sprache“ nennt: Auf sprachlicher Ebene geschieht die Transformation des Unterschichten-Mädchens zur Dame nicht etwa von schlechtem Platt in gepflegtes Hochdeutsch, sondern genau umgekehrt: „Hier lernt sie das saubere Plattdeutsch“, erklärt er, nachdem Eliza zuvor eine Melange aus falschem Platt und schlechtem Hochdeutsch gesprochen hat und auch mit der Grammatik meist danebenlag. Auch die allseits bekannten Lieder des Musicals, von den Ensemblemitgliedern mit Orchester-Playback live gesungen, erklingen auf platt. In der NTD-Inszenierung ist der komplette Liedersatz enthalten, „es fehlt nicht eine Note“, sagt der Regisseur. So stehen die Darsteller vor der Herausforderung, nicht nur zu spielen, sondern auch zu singen und zu tanzen und außerdem mehrmals die Kostüme zu wechseln.

Lüsebrink, der starke Bezüge nach Bremen hat, verlegt die Handlung in die Hansestadt – und in einigen Szenen auch nach Delmenhorst. „In Bezug auf Delmenhorst wird es kleine Überraschungen geben“, verrät er.

Die Hauptrolle der Eliza übernimmt die NTD-Nachwuchsschauspielerin Fentke Stolle (20). In einem Casting setzte sich die in Hurrel lebende angehende Bankkauffrau gegen vier Mitbewerberinnen durch. „Die Rolle ist eine Herausforderung wegen der verschiedenen Charaktere, die Eliza zeigt“, sagt das ehemalige „Jungs un Deerns“-Mitglied. Trotz oder gerade wegen der verschiedenen Charaktere legt Regisseur Lüsebrink hierauf besonderen Wert: „Ich möchte ein Blumenmädchen sehen, das zum Schluss immer noch ein Blumenmädchen ist.“

Bühnenbau und Bühnentechnik sind bei „My Fair Lady – Op Platt“ anspruchsvoll und stellen das NTD-Team vor besondere Herausforderungen. Das Bühnenbild ist erstaunlich wandelbar; umgebaut wird bei geöffnetem Vorhang.

Mit dem Stück begeht NTD-Mitglied Heino Brackhahn, Darsteller des Oberst Pickering, sein 50-jähriges Bühnenjubiläum.

Wolfgang Bednarz
Delmenhorst
Redaktion Delmenhorst

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