Delmenhorst Peter Reisinger sitzt im Gemeinschaftsraum der Wohngemeinschaft der Lebenshilfe an der Neuen Straße in Delmenhorst. Auf den Tisch vor sich hat er eine Schüssel Marshmallows gestellt. Fröhlich plappert er über das Laufen, Wettbewerbe, an denen er teilgenommen hat. Das war früher anders.

Eigentlich war Peter Reisinger ein stiller Mensch, lebte zurückhaltend und redete wenig. Doch seitdem er vor etwa zehn Jahren das erste Mal die Laufgruppe der Lebenshilfe besucht hat, hat der Autist seine Leidenschaft entdeckt. Heute führt Peter Reisinger gleich mehrere der internen Lauf-Ranglisten an: Von allen Gruppenmitgliedern hat er an 98 der bisher 99 Läufen der Gruppe teilgenommen, war prozentual bei den meisten Trainingseinheiten dabei. Wenn am Mittwoch von 17 bis 18 Uhr das Lauftraining in der Graft ansteht, dann fehlt er eigentlich nie.

„Er ist schon ein unheimlich toller Läufer“, sagt auch Ludger Norrenbrock, Leiter der Laufgruppe. Er hatte vor zehn Jahren die Idee einer gemeinsamen Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung. „Wir waren zu Beginn zehn Läufer und wollten in einem zwölfwöchigen Programm eigentlich nur für einen Lauf trainieren“, erinnert sich Norrenbrock an die Anfänge. Aus den zwölf Wochen sind mittlerweile zehn Jahre geworden, von den zehn Läufern damals sind heute noch immer sieben dabei. Insgesamt ist die Gruppe auf 39 Läufer angewachsen.

Teilgenommen wird an verschiedenen Läufen in Nah und Fern. Aber egal ob in Köln, Tübingen, Berlin oder Delmenhorst – eines steht immer im Vordergrund: der Spaß. „Natürlich freuen wir uns auch, wenn wir es einmal auf einen Podestplatz in der Altersklasse schaffen“, sagt Ludger Norrenbrock. „Aber das Wichtigste ist für uns Spaß zu haben und uns gegenseitig anzufeuern.“

Erfolge gibt es für die Teilnehmer dabei nicht nur auf der Strecke. „Peter hat früher kaum geredet“, erinnert sich Norrenbrock. Als dieser für den Marathon in Berlin trainierte, änderte sich das. „Da hat er mich irgendwann angerufen und mir berichtet, dass er auch ganz alleine trainiert, um die Strecke zu schaffen.“ Zusammen mit Edith Voigt, niedersächsische Behindertensportlerin des Jahres 2009, starteten sie in Berlin. „Peter hat uns immer das Wasser gereicht und uns angetrieben“, sagt Ludger Norrenbrock. Peter Reisinger ergänzt: „Es war ganz wichtig, sich die Kraft einzuteilen, dann konnte man es schaffen.“

Sein nächstes läuferisches Highlight steht bereits an diesem Wochenende bevor. Im Rahmen des 24-Stunden-Burginsellaufes findet zum neunten Mal auch der 3-Stunden-Lebenshilfe-Lauf statt. Hier wird Peter, gemeinsam mit Edith Voigt und Dieter Baumann, Olympiasieger 1992, in der Staffel laufen. „Ich bin gut vorbereitet und freue mich darauf“, sagt er.

Sieben weitere Staffeln werden ebenfalls auf der 1,2 Kilometer langen Strecke unterwegs sein, dazu drei Walking-Gruppen. „Wir sind zum neunten Mal in den Burginsellauf integriert“, sagt Ludger Norrenbrock. Um 14.30 Uhr werden alle der 65 Teilnehmer gemeinsam starten, ehe dann der erste Läufer aus jeder Gruppe mit dem Staffelstab in der Hand die Strecke absolviert.

„Wir freuen uns auf ein tolles Erlebnis, schließlich ist es für die Laufgruppe der 100. Lauf, an dem wir teilnehmen“, so Norrenbrock. Zehn Jahre ist der Lauftreff nun schon eine Erfolgsgeschichte. Er, Peter Reisinger, und noch viele mehr hoffen, dass noch viele Läufe folgen werden.

Sönke Spille Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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