Delmenhorst Am Sonntag ging es beim „Tag des offenen Denkmals“ im Turbinenhaus der Nordwolle um den wirtschaftlichen Glanz Delmenhorsts vergangener Zeiten. Der ehemalige Nordwolle-Mitarbeiter Rudolf Schewe führte durchs Museum und gab einen Rückblick über die Geschichte der Wollkämmerei.

1884 gründete der Bremer Wollkaufmann Christian Lahusen die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei. Unter Führung seines Sohnes Carl Lahusen produzierte der Konzern ein Viertel des weltweiten Woll-Rohgarns. Im Laufe der Zeit entstand eine der größten Fabrikhallen Europas. „Damals gab es noch keinen Strom. Beispielsweise wurden 50 Meter lange Waschbehälter aus England geliefert. Eine logistische Meisterleistung“, so Schewe.

1921 als Carl Lahusen stirbt und seine Söhne die Firma übernehmen, arbeiten 24 000 Menschen in der Delmenhorster Wollkämmerei. „Meine Mutter fing auch an, hier mit 14 Jahren ihr eigenes Geld zu verdienen“, berichtet Schewe. Doch die Söhne Lahusens verfügen nicht über das unternehmerische Geschick ihres Vaters. Im Zuge ihres ausschweifendes Lebensstils wird eine Villa mit über 100 Zimmer gebaut – „Gold im Bad und der teuerste Marmor!“ – bis es schließlich zum großen Crash kommt. „Die Söhne haben es geschafft die Firma innerhalb von zehn Jahren an die Wand zu fahren“, konstatiert Schewe. Sie werden später verurteilt. Zwar existiert die Wollkämmerei noch bis 1981 weiter, kann aber nicht mehr an die Erfolge alter Zeiten anknüpfen. „Die Nordwolle ist nicht, wie viele denken, Konkurs gegangen. Die Dresdener Bank hat den Geldhahn zugedreht, weil die Gewinnerwartung nicht mehr da war.“

Zwar ist der Unternehmer Carl Lahusen für sein soziales Engagement bekannt. Er sorgte für ein Krankenhaus, einen Kindergarten und Wohnhäuser für die Arbeitskräfte. Ein Wohltäter sei der Fabrikant aber nicht gewesen, wie Schewe erzählt. „Lahusen war ein knallharter Unternehmer, der seinen Arbeitern schlechte Löhne gezahlt hat.“

Tatiana Gropius Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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