Delmenhorst „Zwischen Alkohol und Cannabis gibt es fast keinen Unterschied mehr“ – zumindest die Anzahl derjenigen betreffend, die die Anonyme Drogenberatung (drob) der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Delmenhorst aufsuchen. Dies teilte Einrichtungsleiterin Evelyn Popp bei der Vorstellung des Jahresberichts mit. 2018 haben sich 361 (2017: 358) Menschen aufgrund von Alkoholproblemen an die drob gewandt, 358 aufgrund von Problemen mit Cannabis. Im Jahr zuvor waren es 252. 1460 Menschen suchten die drob 2018 auf, 2017 waren es 1304.

Mehr Medienabhängige

Neu ist, dass zunehmend Menschen aufgrund von Medienabhängigkeit zur drob kommen. 2018 waren es 29 (2017: 20). Ob der Konsum problematisch sei, lasse sich nicht an der Zahl der Stunden festmachen, die jemand online verbringe. Wenn dafür jedoch sämtliche Verpflichtungen vernachlässigt werden, dann sei der Konsum problematisch.

Die Drogenberatung der AWO in Zahlen

Die Drogenberatung (drob) hat 2018 1460 Personen (2017: 1305) unterstützt, 922 (800) männliche und 538 (505) weibliche.

Bei Betreuungsbeginn waren 3,6 % (2,8 %) jünger als 15 Jahre; 7,3 % (6,8 %) jünger als 20; 46,3 % (44,7 %) jünger als 40; 36,6 % (39,4 %) jünger als 60 und 6,2 % (6,3 %) 60 und älter.

Die Diagnosen: Alkohol: 361 (358); Cannabis: 358 (252); Opiate: 149 (173); Glücksspiel: 93 (79); Medienabhängigkeit 29 (20).

Planmäßig beendet wurden 68,9 % (67,6 %) der Beratungen. Bei 73,5 % (68,4 %) hat sich die Symptomatik danach gebessert, bei bei 23,7 % (29,4 %) blieb sie unverändert, bei 2,1 % (1,2 %) hat sie sich verschlechtert.

Insgesamt suchten 328 (326) Angehörige die drob auf.

Popp betonte, dass Suchtkranke und gefährdete Menschen nach einer Behandlung eine gute Prognose hätten. Wer unsicher sei, ob er ein Problem habe, könne sich jederzeit an die drob wenden.

Bevor sich jemand Hilfe suche, müsste man sich jedoch eingestehen, überhaupt ein Problem zu haben. Und auch dann kann es Rückschläge geben. Wie zum Beispiel beim 39-jährigen André. Er hatte aufgrund von Alkoholproblemen vor sieben Jahren die erste ambulante Therapie angefangen, nachdem er seinen Führerschein verloren hatte. Die Therapie brach er jedoch schnell wieder ab. Dass er ein Problem hatte, wollte er sich nicht eingestehen. Seiner Familie und seinem Arbeitgeber hat er erzählt, dass er mit dem Trinken aufgehört habe.

Als er beim Spielen mit seinem Sohn jedoch so schwer stürzte, dass „das halbe Gesicht“ aufgeschürft war, erkannte er, dass er ein Problem hatte. Da die ambulante Therapie beim ersten Mal nicht ausgereicht hatte, begab er sich im August 2017 in eine Klinik. „Ich habe viel gelernt über die Krankheit“, erzählt André. Mittlerweile habe er fast alle Ziele erreicht, die er sich gesetzt habe. Der 39-Jährige wartet auf einen Termin, um seinen Führerschein wiederzubekommen. Er hat sich neue Hobbys gesucht und zusammen mit einem Bekannten und Mitarbeitern der drob eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Sein Arbeitgeber stand – obwohl er seine Krankheit jahrelang verschwiegen hatte – hinter ihm. Der 39-Jährige konnte sich die Zeit nehmen, die er brauchte, um gesund zu werden.

Hilfe vom Arbeitgeber

Arbeitgeber seien verpflichtet, ihre Arbeitnehmer zu unterstützen. Sie könnten jedoch noch mehr tun. „Viele haben keinen Mut, ihre Mitarbeiter anzusprechen“, weiß Popp. Dass jemand ein Problem habe, werde oft bemerkt – bis jemand einen Mitarbeiter darauf anspreche werden jedoch oft zu lange gewartet.
 Die Anonyme Drogenberatung an der Scheunebergstraße 41 hat montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 18 Uhr sowie mittwochs von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Zu erreichen ist die drob unter Telefon  04221/14055 oder info@drob-delmenhorst.de


     www.drob-delmenhorst.de 
Manuela Wolbers Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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