Delmenhorst Sie war Fabrikarbeiterin, Gewerkschafterin und Betriebsrätin. Die Geschichte von Ruth Müller (1922 bis 2008) ist jetzt einer Ausstellung im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur in Delmenhorst gewidmet. Das Museum hat diese im Rahmen der Initiative Frauenorte des Landfrauenrates Niedersachsen erarbeitet, in der das Leben und Wirken bedeutender historischer Frauen herausgestellt werden soll. Daran nimmt Delmenhorst als eine von bisher 36 Städten und Gemeinden niedersachsenweit teil.

Wie war also das Leben von Ruth Müller und ihr Wirken auf der Nordwolle in Delmenhorst? 1922 in Wansen (Polen) geboren, kam sie 1941 erstmals nach Delmenhorst. Sie heiratete und bekam zwei Kinder. Nach einigen Umzügen lebte die Familie ab 1960 wieder in Delmenhorst.

20 Jahre war Ruth Müller Fabrikarbeiterin auf der Nordwolle. „Wir waren grau wie die Mäuse und schnell wie die Mäuse“, beschrieb sie den Alltag in der Wollkämmerei und Spinnerei. Sie arbeitete in allen Bereichen der Produktion und lernte den gesamten Verarbeitungsprozess kennen. Die Arbeiterinnen mussten hart schuften. So hatte Ruth Müller über die Arbeit an den Spinnmaschinen berichtet: „Eine Frau war damals für fünf Maschinen gleichzeitig zuständig. Da musste man ganz schön hin und her springen.“ 1963 wurde Ruth Müller in den Betriebsrat gewählt. Sie setzte sich für bessere Arbeitsbedingungen der Frauen ein. „Den Recherchen zufolge war Ruth Müller eine resolute und selbstbewusste Frau“, berichtet Maike Tönjes, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes.

Das Museum startete das Projekt Frauenorte im April. „Zunächst sind wir für Informationen an die Familie herangetreten“, erzählt Gerda Hartmann, ebenfalls wissenschaftliche Projektmitarbeiterin. Später habe man versucht, Kontakt zu den Betriebsratskollegen herzustellen, was leider erfolglos geblieben sei. „Wir waren wirklich auf Spurensuche“, betont Tönjes die anfänglichen Schwierigkeiten, etwas über das Wirken von Ruth Müller auf der Nordwolle herauszufinden. Auch der Aufruf an Zeitzeugen über die Zeitungen war größtenteils vergeblich. Doch nachdem sie jeden Stein in den Archiven und in Zeitungen umgedreht hatten – so Tönjes – seien sie doch noch an die notwendigen Informationen gekommen.

Hartmann hat Ruth Müller während ihrer Arbeit im Museum kennengelernt, welches 1996 eröffnet wurde. „Ich kannte sie als Museumsführerin, sie war sehr engagiert.“ Bis 2004 gab sie Museumsbesuchern Führungen. „Sie ist eingestanden für ihre Meinung und hat sich für ihre Kolleginnen eingesetzt.“ So zumindest hätte es Hartmann vielen Quellen entnehmen können. Einen Eindruck zum Leben von Ruth Müller können sich Besucher des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur zu den gewohnten Öffnungszeiten machen. Sie ist seit der Eröffnung am Freitag Teil der Dauerausstellung.

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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