Delmenhorst Die Sitzplätze in den Zuschauerreihen waren gefüllt, vielen Interessierten blieb nur ein Stehplatz: Angeregt lauschten sie am Donnerstagabend einer kaum enden wollenden Diskussion. Der Grund dafür war FDP-Antrag zur Errichtung eines Kunstrasenplatzes.

Am Ende brandete dann doch Jubel bei den Zuhörern auf, die bis zur Abstimmung ausgeharrt hatten: Mit Mehrheit stimmte der Ausschuss für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur für einen Kunstrasenplatz in Delmenhorst. Mit flammenden Reden hatte Vertreter der Delmenhorster Fußballvereine zuvor auf die Bedeutung eines Kunstrasenplatzes hingewiesen. „Der gesamte Fußball braucht und verdient ganzjährige Trainingsbedingungen“, sagte Michael Wild vom TuS Heidkrug. Im Winter gebe es kaum Trainingsmöglichkeiten. „Für die Heidkruger B-Jugend waren es beispielsweise nur fünf Trainingseinheiten in drei Monaten. Das ist ein großer Nachteil gegenüber der Konkurrenz.“

Auch Jürgen Schulenberg übte Kritik. „Die Fußballer wurden über Jahre hingehalten, während andere schneller, mutiger und fortschrittlicher sind“, sagte er. Die Rollen in der anschließenden Diskussion waren dann klar verteilt: Während die CDU, mit Unterstützung von FDP und AfD, für den Kunstrasenplatz plädierte, gab es im Lager der SPD noch zu viele Unklarheiten zur Finanzierung.

„Warum können wir uns als kreisfreie Stadt keinen Kunstrasenplatz leisten?“, fragte Murat Kalmis (FDP). Es sei wichtig, endlich den Startschuss für das Projekt zu geben. In seinem Antrag forderte er, für den Haushalt 2020 und 2021 jeweils 350 000 Euro für die Umsetzung eines Kunstrasenplatzes bereitzustellen. Dazu sollen die Fördermöglichkeiten für die Finanzierung von Kunstrasenprojekten geprüft werden.

Antje Beilemann (SPD) forderte belastbare Zahlen für das Vorhaben. „Wir können doch keinen Betrag im Haushalt nennen, bei dem wir gar nicht wissen, wie viel Geld wir eigentlich benötigen“, sagte sie und erhielt dabei von Kalmis den Vorwurf einer „Hinhaltetaktik“.

Die Verwaltung schätzt, dass für den Bau 900 000 Euro nötig werden – verlässliche Zahlen konnte sie aber nicht nennen. Dafür berichtete Hero Mennebäck, Fachdienstleiter Schule und Sport, von Gesprächen mit den Vereinen. Es seien Vorschläge gemacht worden, die Verteilung selbstständig zu regeln und eine noch festzulegende Miete für jede Trainingseinheit zu bezahlen, um die laufenden Kosten zu decken.

Michael Wild hatte zu Beginn der Sitzung von den Stimmberechtigten gefordert: „Kommen sie aus der Defensive. Auch wenn es noch ein weiter Weg ins Tor ist, spielen sie den ersten Pass.“ Diesen Gefallen taten sie ihm am Donnerstag.

Sönke Spille Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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