Delmenhorst Das Thema „Salafismus in Delmenhorst“ ist seit Dienstag, seit der Durchsuchung einer Autowerkstatt in Schafkoven durch die Polizei, in aller Munde. Die Befürchtung, dass der Salafismus in der Stadt tatsächlich Fuß gefasst hat, womöglich in einer gefährlichen Größenordnung, dürfte nach Ansicht von Claus Hübscher aber nicht zutreffen. Der ehemalige VHS-Leiter gilt als ausgewiesener Kenner der muslimischen Szene in Delmenhorst.

„Ich halte es in keiner Delmenhorster muslimischen Gemeinde für möglich, dass sie bewusst salafistische Strömungen fördern“, so Hübscher, „die wissen, welche Läuse sie sich damit in den Pelz setzen würden.“ Nicht auszuschließen sei es allerdings, dass schon aufgrund der räumlichen Nähe zu Bremen dem Salafismus nahestehende Muslime aus der Hansestadt gelegentlich in Delmenhorster Moscheen zu Gast sein könnten. „Es kann schon sein, dass da einer mitbetet oder mit am Tisch sitzt.“

Ähnlich sieht es auch Tamer Sert. Der türkischstämmige Delmenhorster Autohändler sitzt im Stadtrat und ist FDP-Kreisverbandsvorsitzender. „Das ist ein Bremer Problem, das gelegentlich nach Delmenhorst übergreift“, sagt Sert. „Wichtig ist es, dass die Politik eingreift. Wir in Delmenhorst machen viel in Sachen Integrationsarbeit. In Bremen sehe ich dieses Engagement nicht. Dort muss die Politik deutlich mehr in die Wege leiten“, so Sert, der damit auch eine Kritik an dem Bremer Innensenator Mäurer verbindet. „In Bremen wird falsch agiert. Mit Vereinsverboten sollte man immer behutsam umgehen.“

Ebenfalls warnt der Delmenhorster davor, pauschale Urteile gegen jeden Muslim zu verhängen. „Da ich selber Muslim bin und eine Autowerkstatt besitze, war ich gleich nach den Meldungen der Durchsuchung persönlichen Anfeindungen bei Facebook ausgesetzt. So etwas ist Gift für ein friedliches Miteinander“ sagt Sert auf Nachfrage der NWZ . „Gerade in unseren Moscheen wird für den Frieden gebetet. Salafismus ist mir dort nie untergekommen“, so Sert.

Hartmut Nordbruch, Sprecher des „Breiten Bündnis gegen Rechts“, beobachtet extremistische Strömungen in der Stadt. „Bisher hatten wir keine Kenntnis von einer salafistischen Szene in Delmenhorst“, sagt er, „aber wir werden uns jetzt genauer damit befassen.“

Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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