Thüle Die geplante neue Düngeverordnung brachte Hubertus Berges richtig in Rage. Und auch das „planlose und nicht finanzierte“ Tierwohl-Label. Und die schärferen Regelungen beim so genannten Kastenstand in der Sauenhaltung, beim Kastrieren und beim Kupieren. „Wenn man Tierhaltung nicht mehr will, dann soll man uns das sagen und nicht immer weitere Hürden bauen“, ärgerte er sich auf der Vertreterversammlung des Kreislandvolkverbandes am Donnerstag im Gasthof Sieger in Thüle. Der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes ist als Mann deutlicher Worte bekannt, und er ist überzeugt, dass immer strengere Vorgaben die Landwirtschaft in der Region in ihrer Existenz gefährdet.

Vor allem die Neuerungen des Düngerechts stößt bei ihm und vielen weiteren Landwirten auf große Kritik. Die hohen Auflagen, die der Bund plant, seien überhaupt nicht gerechtfertigt. Und so fragte er die Gastrednerin der Versammlung, die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU), gleich mal direkt: „Wenn es fachlicher Unsinn ist, warum wird es dann politisch durchgedrückt?“

Sie ärgere sich über das Thema genauso, sagte die Ministerin. Niedersachsen würde die Entscheidung des Bundes auch nicht mittragen. So würden der Verordnung Werte aus dem Jahr 2012 zugrunde liegen. „Wenn wir von der Politik da jetzt Schärfe hineinbringen, dann müssen die Werte auch belastbar sein, sonst droht eine Klagewelle der Landwirte“, ist Otte-Kinast überzeugt.

Sie frage sich ohnehin, wie zum Beispiel bei einer Reduzierung der Dünge um 20 Prozent die Erträge auf den Feldern zu halten seien? Wie könne dann noch die Pacht bezahlt werden? „Das sind offene Fragen, die sich auch die Banken und Genossenschaften stellen“, so die Ministerin.

Bei der Gülleproblematik habe Niedersachsen Lösungsansätze, die wolle in Berlin aber niemand hören. „Wir haben gute Ideen, lasst uns bitte machen, aber wir brauchen etwas Zeit“, richtete sich die Ministerin in einer leidenschaftlichen Ansprache an die Landwirte im voll besetzten Festsaal. Wie diese Ideen aussehen, ließ sie allerdings offen.

Gleichzeitig nahm sie auch die Landwirte in die Pflicht. Etwa beim Tierschutz. Es mache sie sauer, wenn sie Aufnahmen aus Schlachthöfen oder von Höfen sehe, in denen verletzte Tiere verladen und gequält werden. „Das kann ich nicht tolerieren. Da sind auch die Landwirte gefordert.“

Sie wisse auch, dass Landwirte allein das Klima nicht retten können, und sie dürften sich auch nicht zu den Buhmännern der Nation machen lassen. Aber man müsse die Sorgen der Menschen Ernst nehmen. „Das sich die Landwirtschaft ändern muss, ist klar. Und wir können und müssen mehr machen“, sagte Otte-Kinast, „aber wenn Landwirte etwas für den Klimaschutz machen sollen, dann müssen sie das auch bezahlt bekommen.“ Wie das funktionieren soll, ließ sie allerdings ebenfalls offen.  Im Rahmen der Versammlung konnte Hubertus Berges zwei Ehrungen vornehmen. Berthold Hachmöller aus Sevelten ist seit 1999 Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Sevelten. Bernhard Kramer aus Gehlenberg war von 2000 bis 2018 Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Gehlenberg. Beide erhielten jeweils eine Ehrenurkunde und eine silberne Ehrennadel.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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