Thüle „Dann sind bäuerliche Strukturen wirklich nicht mehr vorhanden!“ Viele Schweinehalter wollen wegen der Forderungen – aber auch der Unsicherheiten – nach größeren Kastenständen für die Muttersauen und der bald nicht mehr erlaubten betäubungslosen Kastration der Ferkel die Sauenhaltung aufgeben. Diese Befürchtung wurde auf einer Informationsveranstaltung des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg, der praktizierenden Tierärzte im Landkreis Cloppenburg und des Veterinäramtes Cloppenburg für Schweinebetriebe am Montag in Thüle laut.

Schon jetzt würden jährlich die dänischen und niederländischen Ferkelexporte nach Deutschland um Millionen steigen. Schon seit 2010 habe jeder zweite Sauenhalter in Niedersachsen – bei den kleineren Betrieben noch mehr – aufgegeben.

Dem ängstlich anmutenden Ausruf eines Schweinehalters mit der Furcht vor dem Ende der Familienbetriebe folgte die Forderung nach Gleichbehandlung aller EU-Länder durch Martin Roberg, dem stellvertretenden Landvolkvorsitzenden. Es sei ein behutsames Vorgehen nötig, „und wir brauchen Zeit für die Umsetzung“.

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Zunächst einmal rückt der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration unweigerlich näher, ohne dass die Branche eine zielführende Lösung etabliert hat. Am Ausstiegsdatum zum 1. Januar 2019 wird nicht gerüttelt. Es stehen drei alternative Verfahren zur Verfügung, die in unterschiedlichem Ausmaß bereits in der Praxis angewandt wurden: Jungebermast, Immunokastration und Chirurgische Ferkelkastration unter Betäubung.

Die einzelnen Verfahren hätten jeweils Vor- und Nachteile: bei der Jungebermast spielt der Geruch eine Rolle, bei der Immunokastration die Verwendung von Hormonen bei der Verhinderung der Bildung von Geschlechtshormonen und die chirurgische Kastration unter Betäubung durch einen Tierarzt sei nur bei großen Ferkelgruppen anzuraten. „Das ist aufwendig und teuer“, meinte Dr. Friedrich Delbeck von der Landwirtschaftskammer. Ausreichendes Personal sei auch nicht vorhanden – „hier müssten noch Hausaufgaben gemacht werden.“

Seit einiger Zeit wird der sogenannte „4. Weg“ propagiert. Hier soll der Landwirt vor der Kastration ein Lokalanästhetikum (örtliche Betäubung) in den Hodensack und in Richtung der Samenstränge verabreichen. Seit Jahresbeginn ist es Schweinezüchtern in Dänemark erlaubt, männliche Ferkel unter Lokalanästhesie zu kastrieren. In Schweden ist die lokale Betäubung bei der Ferkelkastration bereits seit 2016 gesetzlich vorgeschrieben. Einerseits sei es schwierig, EU-Recht in nationales Recht „umzubrechen“. Aber auch umgekehrt ist es nicht einfach: EU-Recht bei der Ferkelkastration sei in vielen Ländern zur „Schmerzlinderung“ anzuwenden, in Deutschland sei die Begrifflichkeit „Schmerzausschaltung“ gewählt worden. „Bisher haben wir in diesen Fragen nicht genug Gas gegeben“, kritisierte Dr. Delbeck. „Und jetzt wird es eng werden“.

Böseler Goldschmaus (Garrel) ist an einem Modellversuch beteiligt. Am Montag fand ein weiteres Expertengespräch unter Beteiligung einiger Hochschulen in München statt. Der Bauernverband fordert, dass sich auch Deutschland nicht mehr dem „4. Weg“ verwehrt, um deutsche Schweinehalter anderen Mitgliedstaaten gegenüber nicht zu benachteiligen.

„Keiner weiß Bescheid“, kritisierte ein Bauer. Und selbst Experten könnten derzeit keinen Rat geben. Das gelte auch für die Lösung nach der Größe der Kastenstände für Sauen. Unabhängig von Interpretation und Notwendigkeiten würden jetzt Widerristhöhen, Breiten und ein zehntägiger Aufenthalt für die Kastenstände der Sauen festgelegt. „Ohne Praxisbezug“, kritisierte Dr. Delbeck. Juristische Terminologien führten zu baurechtlichen Problemen und zu Übergangslösungen. Und hier würde die nächste Benachteiligung auf deutscher Seite lauern, denn hierzulande gibt es eine zehnjährige Übergangsfrist, in Österreich eine bis 2033.

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