Ramsloh Sie können während eines Anfalls schützen und beruhigen und stellen einen wertvollen Helfer für ihre Halter dar: Assistenzhunde. Diese werden etwa zwei Jahre lang speziell ausgebildet und erlernen Aufgaben, um Menschen mit Schwerbehinderung und chronischer Beeinträchtigung zu unterstützen. Das Problem: Häufig findet man an Eingängen zu Geschäften den Hinweis, dass Hunde „draußen bleiben müssen“. So wird auch Assistenzhundehaltern oft der Zutritt verweigert. Und das, obwohl das Recht auf eine „tierische Assistenz“ im Völkerrecht – Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) – verankert ist.

Um die Zutrittsrechte von Assistenzhundteams zu verbessern, fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die 30-monatige Kampagne „Assistenzhund Willkommen“. Diese läuft bis zum 30. September 2021 und wird von der gemeinnützigen Organisation „Pfotenpiloten“ durchgeführt. Auch in Ramsloh hat die Kampagne nun Einzug gehalten.

Dort überbrachte Daniela Busker aus Warsingsfehn (Moormerland), die sich bei „Pfotenpiloten“ engagiert, am Montagmittag Bürgermeister Thomas Otto einen Aufkleber mit der Aufschrift „Assistenzhund Willkommen“, der direkt an die Eingangstür zum Rathaus geklebt wurde. Daniela Busker leidet selbst an Posttraumatischen Belastungsstörungen und wird im Alltag von ihrem Assistenzhund Duke unterstützt.

Der Gemeinde seien bisher vier Betroffene im Saterland bekannt, die Assistenzhunde halten würden, sagte der Bürgermeister. Eine davon ist Nele Janßen aus Ramsloh, die seit 2017 von Assistenzhund „Mango“ begleitet wird. Sie ist im Internet auf Daniela Buskers Facebookseite gestoßen, auf der die Warsingsfehnerin alles rund um ihr Engagement im Rahmen der Kampagne veröffentlicht. Nele Janßen kontaktierte sie und berichtete von Problemen mit Einlass in Geschäften. Mit ihrer Hilfe konnten bereits Markant und Lidl in Ramsloh sensibilisiert werden. An deren Eingängen sind nun ebenfalls die Aufkleber „Assistenzhund Willkommen“ zu finden.

Auch Daniela Busker hat schon negative Erfahrungen gemacht, vor allem mit Lebensmittelgeschäften. „Ich bin schon sehr oft angeeckt. Es geht einfach nicht, dass die Menschen mit ihren Assistenzhunden abgewiesen werden. Assistenzhunde gelten als medizinisches Hilfsmittel“, ärgert sich Daniela Busker. Allerdings räumt sie auch ein: „Das liegt einfach an der Unwissenheit der Geschäftsführer, dass es das Gesetz schon seit 2006 gibt.“ Damit weist sie auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 hin. Nach diesem gilt unter anderem ein generelles Verbot der Mitnahme eines Blindenführhundes oder eines anderen Assistenzhundes als unzulässige Diskriminierung.

Vielen Menschen ist zudem nicht bewusst, dass es neben Blindenführhunden eben auch noch Assistenzhunde für andere Einschränkungen gibt, wie Diabetikerwarnhunde, Signalhunde, Epilepsiewarnhunde oder Assistenzhunde für Menschen mit psychischen und psychiatrischen Erkrankungen.

In Moormerland und Leer hat Daniela Busker schon viele Aufkleber an Geschäften anbringen können. Nun geht es in Ramsloh weiter. Die Aktion soll auf das gesamte Saterland und dann auch auf den gesamten Landkreis ausgedehnt werden. „Es ist wichtig, dass wir als Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen. Wir wollen ein deutliches Zeichen setzen und unterstützen, so dass möglichst in jedem Geschäft der Einlass mit Assistenzhunden möglich ist“, sagte Bürgermeister Otto. Denn da es im Saterland nur wenig Betroffene gebe, hätten diese auch keine Lobby.

Erkennbar sind Assistenzhunde übrigens an ihrer speziellen Kenndecke.


  www.pfotenpiloten.org 
Tanja Mikulski Friesoythe / Redaktion Münsterland
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