Friesoythe Am 1. August 1914 ordnete Kaiser Wilhelm II. die Mobilmachung der deutschen Streitkräfte an, Deutschland tritt in den Ersten Weltkrieg ein. Vorausgegangen war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914. Damals ermordeten Mitglieder einer Studentenorganisation den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand, seit 1896 Thronfolger von Österreich-Ungarn.

Drei Wochen nach dem Attentat richtete Österreich-Ungarn in der sogenannten Julikrise am 23. Juli ein Ultimatum an Serbien, das bewusst unannehmbar gehalten war. Die serbische Regierung – mit Unterstützung Russlands – lehnte das ab. Österreich-Ungarn erklärte dem Königreich Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg. Aus diesem Krieg entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit ein Kontinentalkrieg. In der deutschen Bevölkerung entstand aus dem Gefühl einer existenziellen nationalen Bedrohung eine Begeisterung für den Krieg. So auch in Friesoythe, wie aus der Chronik „Die Stadt Friesoythe im zwanzigsten Jahrhundert“ von Ferdinand Cloppenburg hervorgeht.

Das Kriegerdenkmal an der Bahnhofstraße wurde 1907 errichtet. BILD: Reiner Kramer
Das Kriegerdenkmal an der Bahnhofstraße wurde 1907 errichtet. BILD: Reiner Kramer

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Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren geführt und forderte rund 17 Millionen Menschenleben.

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Cloppenburg zitiert die Notizen des damaligen Pfarrers der St.-Marien-Pfarrei, Lambert Meyer: „Am 1. August, einem Samstag, an dem die Entscheidung kommen mußte, waren insbesondere nachmittags die Straßen von Menschen belebt. Beim Rathaus, an welches, nach der Kirche zu, die fast stündlich einlaufenden Depeschen angeheftet wurden, befanden sich fortwährend viele Dutzende, die lebhaft die Ereignisse besprachen. Wir Geistliche waren in der Kirche am Beichtehören, als etwas nach 5 Uhr Hoch- und Hurra-Rufe von außen gehört wurden, während zugleich das Lied ,Deutschland, Deutschland über alles’ erscholl.“

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Weiter schreibt der Geistliche: „Da hielt es uns und die Beichtleute nicht mehr in der Kirche. Die Straßen füllten sich immer mehr und begeisterter Gesang wurde überall gehört.“ Am Abend wurde der Mobilmachungsplan überbracht. Schon am 1. August fand abends ein Zug durch die Stadt mit Ansprachen vor dem Rathaus statt, ein pompöser Festumzug folgte am 3. August, dem Tag vor der Einberufung. Reden gab es beim Kriegerdenkmal. Eine große Abschiedsfeier für die Einberufenen wurde in Tiedekens Saal gegeben, wo „viele patriotische Reden gehalten wurden“, wie der Pfarrer schrieb.

In den Folgetagen hatten die Geistlichen viel zu tun: Die Einberufenen kamen morgens vor der Abreise in die Kirche, um die heiligen Sakramente zu empfangen. Der Kriegerverein begleitete die jungen Männer morgens um 6 Uhr mit Musik zum Bahnhof. Diese zogen „mit Mut und Begeisterung“ in den Krieg.

Das Rathaus entwickelte sich zum Nachrichtenportal: Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz wurden telegrafisch übermittelt und am Rathaus angeheftet. „Große Siege lösten jedesmal Jubel aus, der sich hier allerdings nicht so laut äußerte wie anderswo; jedoch wurde nach großen Siegen auch einzeln geflaggt und geläutet“, notierte der Geistliche in den Pfarrnachrichten im August 1914.

In den ersten Kriegswochen wurden aus Friesoythe gut 100 Männer eingezogen, davon fielen im ersten Kriegsmonat drei. Erster Toter war Joh. Wendeln am 23. August.


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Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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