Kreis Cloppenburg Seit zwei Wochen dürfen im Kreis Cloppenburg trotz der im Niedersächsischen Jagdgesetz festgelegten Schonzeit Wildschweine bejagt werden. Darauf hat Kreisjägermeister Herbert Pitann hingewiesen.

Der Grund ist die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP), die sich in Tschechien im Wildschwein- sowie in Polen auch im Hausschweinbestand immer weiter in Richtung Westen bewegt. Unabsehbar seien die Folgen für den Kreis Cloppenburg, hatte Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, der Veterinäramtsleiter, gewarnt. Sowohl Fleisch als auch lebende Schweine unterlägen dann Vermarktungsbeschränkungen, deren fatale wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen in einem Kreis mit 1,8 Millionen gehaltenen Schweinen und nahezu zehn Millionen Schweineschlachtungen im Jahr gravierend seien. Infolge der großen Exportabhängigkeit der produzierenden Unternehmen sei die Gefahr eines Zusammenbruchs des Schweinemarktes wahrscheinlich. Der ernsten Bedrohungslage für die Bestände müsse durch eine strikte Einhaltung der Bestimmungen begegnet werden.

Dazu gehöre auch die Minimierung des Wildschweinebestandes, meinte Bernd Kurmann, der Vorsitzende der Jägerschaft im Kreis Cloppenburg, und forderte im NWZ-Gespräch die Verlängerung der Ende Januar ausgelaufenen Jagdzeiten für Wildschweine. Andere Landkreise hätten solche Verordnungen mittlerweile erlassen.

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Herbert Pitann, Cloppenburgs Kreisjägermeister, hat die Sach- und Rechtslage mittlerweile prüfen lassen. Der Landkreis Cloppenburg hat bereits 2002 im Zuge des letzten Schweinepestzuges eine Verordnung zur Aufhebung der Schonzeiten erlassen. Sie sollte zwar außer Kraft gesetzt werden, wenn die Schweinepest mehr als ein Jahr pausiere. „Darüber ist aber kein Beschluss gefasst worden, folglich gilt die Verordnung noch“, meinte Pitann. Das Ministerium habe allerdings kürzlich grundsätzlich empfohlen, führende Bachen auszunehmen. „Das geht jetzt in die Beratungen der zuständigen Gremien“. Pitann empfahl eine strenge Bejagung der Tiere, um Übertragungswege auszuschließen.

Die Wildschweinjagd lohnt sich immer weniger. Mit drei Euro pro Kilo beziffert Pitann noch den Preis für Fleisch. Aber es gibt auch Regionen, wo nur noch 50 Cent bezahlt werden. „25- bis 50-Kilogramm-Wildschweine gibt es umsonst“, hat Pitann erfahren. Mehrere Länder haben deshalb begonnen, Prämien zu zahlen.

Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, rafft aber Schweine schnell dahin. Obwohl Hausschweine in der Regel keinen Kontakt zu Wildschweinen haben, fürchten die Behörden eine Übertragung. Deswegen sollen die Jäger nun noch mehr Sauen schießen – was sicher nicht zur Erholung der Preise beitragen wird.

Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, teilt die Sorgen des Veterinärwesens. Die Jäger müssten bei einem ASP-Fall gegenüber der EU darüber Rechenschaft abzulegen, in welcher Vermehrungs- und Bestandssituation sich die Schwarzwildpopulation derzeit befinde und was die Jäger gegen die Bestandsdichten unternommen hätten.

Die Bestandskontrolle im Landkreis ist bisher erfolgreich gewesen. Vor zehn Jahren wurden im Kreis Cloppenburg 190 Wildschweine geschossen– 2016 waren es 163. Im Kreis Vechta gab es nur eine marginale Steigerung von 104 auf 115. „Wir müssen trotzdem den Bestand reduzieren“, meint Pitann. Wildschweine hätten eine jährliche Reproduktionsrate von 300 Prozent. Da könnten schnell aus wenigen mehrere Horden werden.

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