Garrel Die Not der Schweinemäster wird größer, weil Schlachtkapazitäten fehlen. Über 500 000 Schweine „stehen schon im Stau“. Bis Freitag gab es trotz Bemühungen von allen Seiten keine Genehmigung zum Schlachten am Reformationstag, 31. Oktober.

Politik muss handeln

Schlachtereien laufen Sturm, schalten Politiker aller Couleur ein. „Die Verzögerungen sind ein Schlag ins Gesicht der Schweinehalter“, meint Dr. Torsten Staack, Geschäftsführer der ISN in Damme. Die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann müsse endlich tätig werden und für eine schnelle Erteilung der notwendigen Genehmigungen sorgen, fordert Staack. „Wir sind am Ende unserer Weisheit, die Nerven liegen blank“, sagt Hubertus Berges, Vorsitzender des Veredlungsausschusses im Landvolk Niedersachsen. „Viele Schweine rutschen aus der Norm, wir erzielen trotz des höheren Gewichts keinen besseren Erlös und werden als Mäster und Halter preislich erheblich abgestraft. Das können wir nicht länger hinnehmen.“

Aber mancher Geschäftsführer von Erzeugergemeinschaften äußert auch durchaus Kritik an den Schlachthöfen. Mit 80 Prozent Auslastung seien deren Erlöse angesichts steigender Verbraucherpreise für Fleisch und den historisch niedrigen Schweineschlachtpreisen (1,27 Euro/Kilogramm gegenüber 2,02 Euro/Kilogramm im März) deutlich höher als bei voller Auslastung und besseren Preisen für die Mäster. Aber öffentlich mag das kaum einer sagen. „Ich will keinen Stress mit den Schlachthöfen, dann nehmen die mir keine Schweine mehr ab“, meinte einer am Donnerstag.

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So fühlen sich die Schweinemäster grob vernachlässigt, erwägen öffentliche Proteste. Es verwundere schon, dass Ende Juni beim Corona-Fall bei der Putenschlachterei Geestland (Wildeshausen) die Ausnahmegenehmigung schnell erteilt wurde. Es hakt scheinbar im Sozialministerium. Ministerin Carola Reimann (SPD) ist im Urlaub. Sie habe, hieß es am Freitag, eine strikte Weisung hinterlassen, Ausnahmen nicht zuzulassen.

Ministerin spricht

So wird im von Barbara Otte-Kinast (CDU) geführten Agrarministerium erwogen, das Problem im Erlassweg zu lösen. Es könnte der „Notstand“ erklärt werden. Im Sozialministerium wird anerkannt, dass durch die corona-bedingten Engpässe sich bei der Schlachtung von Schweinen ein „ständig verschärfendes Problem mit dem Tierschutz eingestellt hat“. Dem Problem zu begegnen stehe im „öffentlichen Interesse“.

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