Friesoythe In 20 Jahren kann eine Menge passieren, sich vieles verändern. Berufe sterben aus, neue dringen auf dem Markt. Und auch innerhalb eines Berufes kann es Veränderungen geben. Auch vor den Tiermedizinern machen diese Veränderungen keinen Halt: Weg von der handwerklichen Tätigkeit – hin zur beratenden Funktion. Davon berichten Dr. Bernd Hinrichs, Dr. Matthias Spark und Dr. Aneta Dullweber.

Sie alle sind Inhaber der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Friesoythe. Seit 20 Jahren ist die Praxis Ansprechpartner bei Erkrankungen, Geburten und beim Impfen – egal ob für Nutz- oder Kleintiere.

Eröffnung 1999

Der Ursprung liegt im Jahr 1992. Damals verfolgte Dr. Bernd Hinrichs das Ziel einer Gemeinschaftspraxis. Zwar gab es einen Zusammenschluss mehrerer Ärzte – doch jeder praktizierte an einem anderen Ort, hatte dazu eine eigene Apotheke. Und die Suche nach einem geeigneten Standort gestaltete sich schwer. „Es war ein Segen, dass die Friesoyther Wasseracht 1997 umgezogen ist“, erinnert sich Dr. Bernd Hinrichs. Das Gebäude wurde zum Zentralgebäude der Tierarztpraxis umgebaut. „In dieser Größenordnung hatte es das vorher wohl noch nicht so gegeben“, sagt Dr. Hinrichs. Am 1. Februar 1999 schlug er, gemeinsam mit Dr. Wilhelm Kösters, Hubert Frohne-Brinkmann mit einer Gemeinschaftspraxis dann einen völlig neuen Weg ein.

Geblieben von den Inhabern ist nur noch Dr. Bernd Hinrichs, der heute gemeinsam mit zwei neuen Inhabern die Geschäfte führt. Zunächst kam Dr. Matthias Spark dazu, der 2005 in der Gemeinschaftspraxis begann und 2007 als Mitinhaber einstieg und seit Februar 2016 auch Dr. Aneta Dullweber, die im Jahr 2008 als Angestellte begonnen hatte. Heute sind 21 Mitarbeiter in der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Friesoythe tätig – neben den drei Inhabern noch acht weitere angestellte Tierärzte.

Vertrauen aufbauen

„Wir sind 24 Stunden, 365 Tage im Jahr erreichbar“, sagt Dr. Matthias Spark. Das sei bereits zu Beginn so gewesen. Doch dank der Gemeinschaftspraxis können die Dienste am Abend und am Wochenende auf mehrere Schultern verteilt werden. „Das hilft enorm“, sagt er. Mitbringen müsste man neben dem fachlichen Wissen auch weiterhin psychologische Eigenschaften besitzen.

„Jedes Tier, aber auch jeder Landwirt ist verschieden. Man muss einschätzen können, wie man mit jedem speziell umgeht, wie man Vertrauen aufbauen kann“, erzählt Dr. Hinrichs. Über die Jahre hinweg lerne man den gesamten Hof und die Familie kennen. „Plattdeutsch kann auf einigen Höfen auch heute noch Türen öffnen“, verrät er.

Verändert hat sich in der Arbeitsweise der vergangenen 20 Jahren eine Menge. „Die Spezialisierungen der verschiedenen Tierarten ist sehr weit fortgeschritten“, sind sich die drei Inhaber einig. „Der Weg geht weg vom Allrounder, hin zum Spezialisten“, sagt Dr. Aneta Dullweber, die als Fachärztin für Geflügel tätig ist. Früher sei ein Tierarzt für fast alle Tierarten auf dem Hof zuständig gewesen. Heute komme es nicht selten vor, dass sich die Tierärzte der Gemeinschaftspraxis auf den Höfen treffen – da sich jeder um seine Tierart kümmere.

Dazu haben die beratende Tätigkeit immer mehr zugenommen. War der Tierarzt vor einigen Jahrzehnten fast ausschließlich für die Behandlung der Tiere zuständig, kümmert er sich heute auch um Bestandserhebungen, gibt Ratschläge und überwacht das Wohl der Tiere. „Früher sind wir häufig bei Geburten dabei gewesen. Das ist dank der weiterentwickelten Ställe nur noch selten der Fall“, berichtet Dr. Bernd Hinrichs. Und auch Aufgaben von früher werden heute von den Landwirten selber übernommen. „Sie geben ihren Tieren heute häufig selbst die Infusionen“, weiß Dr. Hinrichs. Das wäre früher undenkbar gewesen. „Der Weg der Akutmedizin, wo wir für die Behandlung zuständig sind, geht immer mehr hin zur Gesundheitsvorsorge“, erklärt Dr. Matthias Spark.

Großer Aufwand

Und auch die Bürokratie habe in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. „Es herrscht ein unheimlicher Dokumentationsaufwand“ sagt Dr. Hinrichs. Das binde die tierärztlichen Arbeitskräfte. „Man fragt sich deshalb schon hin und wieder einmal, ob es noch der Beruf ist, für den man sich früher einmal entschieden hat“, sagen die drei. „Durch eine ständige Kontrolle und vieler Gesetze ist ein gewisses Spannungsfeld zwischen dem was man für das Tier machen möchte und was man für es machen darf, entstanden.“

An ihrer Leidenschaft, mit Tieren zu arbeiten und ihnen zu helfen – daran hat sich auch in all den Jahren nichts geändert. Dr. Bernd Hinrichs, Dr. Matthias Spark und Dr. Aneta Dullweber lieben ihren Beruf. Damals wie heute.

Sönke Spille Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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