Friesoythe Kaum vorstellbar, aber der Brexit, also ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, hätte tatsächlich auch Auswirkungen auf den Sozialen Briefkasten in Friesoythe. Das machte der Europaabgeordnete Dr. Stefan Gehrold (CDU) bei seiner Stippvisite am Freitag in der Jugendwerkstatt deutlich. Denn würden die Briten aussteigen, würde ein Loch von neun bis zwölf Milliarden Euro jährlich im EU-Haushalt klaffen.

Das ginge vor allem zu Lasten der zwei größten Fördertöpfe: Agrarfonds und Strukturfonds. Letzterer speist auch den Europäischen Sozialfonds Deutschland (ESF), der wiederum etwa 20 Prozent des Jahresbudgets des Sozialen Briefkastens deckt, was wiederum einen Anteil von rund 80 000 Euro ausmacht.

Europawahl

Die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union (EU) wählen vom 23. bis 26. Mai 2019 das Europäische Parlament. Rund 400 Millionen Bürger sind aufgerufen, an der Wahl teilzunehmen.

In Deutschland findet die Wahl am Sonntag, 26. Mai, statt. Rund 60,8 Millionen Deutsche sind wahlberechtigt. Daneben können zusätzlich 3,9 Millionen weitere Bürger der Europäischen Union, die in Deutschland leben, hierzulande an die Wahlurnen treten. In Deutschland werden 96 Europaabgeordnete gewählt. Anders als bei der Bundestagswahl hat jeder Wahlberechtigte bei der Europawahl nur eine Stimme, mit der er eine Partei oder sonstige politische Vereinigung wählen kann. Es gibt keine 5-Prozent-Hürde.

41 Parteien sind in Deutschland zur Europawahl zugelassen. 39 von ihnen treten bundesweit an, hinzu kommen die CSU in Bayern und die CDU, die in den anderen 15 Bundesländern kandidiert. Auf den Stimmzetteln stehen daher bundesweit 40 Wahlvorschläge.

Der einzige Kandidat aus dem Oldenburger Münsterland ist Dr. Stefan Gehrold aus Sedelsberg. Er tritt für die CDU an und steht auf der Landesliste auf Platz fünf.

Der Sedelsberger Gehrold, der für die CDU bei der Europawahl am 26. Mai antritt, kündigte zudem an, dass der Fördertopf wohl auch ohne Brexit-Debatte zwar nicht gestrichen, aber durchaus abgeschmolzen werde.

Bis Ende 2020 läuft noch die aktuelle siebenjährige Förderperiode, ab 2021 müsste sich die Jugendwerkstatt dann auf eine geringere Fördersumme einstellen. Ärgerlich vor allem, da das Land Niedersachsen den Briefkasten momentan immer mit der gleichen Summe wie der ESF unterstützt. Das ist bislang gekoppelt. Noch ist unklar, ob das so bleibt oder ob das Land, das ebenfalls rund 80 000 Euro zahlt, die Höhe der Zahlung unabhängig vom ESF beibehält.

Träger des Sozialen Briefkastens ist der Sozialdienst katholischer Männer (SkM) und der Vereinsvorstand um Renate Geuter und Michael Bode sowie Einrichtungsleiter Jörg Busse hörten das alles natürlich nicht gerne. Doch es sei nicht neu, in Sachen Finanzierung immer wieder vor neuen Herausforderungen zu stehen, sagte Geuter. Das Jahresbudget des Briefkastens liegt bei jährlich rund 450 000 Euro. Wichtig sei, dass man bei allen Geldgebern – unter anderem Land Niedersachsen, Stadt, Jobcenter, Agentur für Arbeit, Offizialat, EU – auf die Wichtigkeit der Einrichtung aufmerksam mache.

Der Soziale Briefkasten betreut derzeit 21 Jugendliche, die in der Schule oder auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nicht zurecht kommen. Neun Vollzeitkräfte und drei Teilzeitkräfte kümmern sich um die jungen Leuten, um sie an das Arbeitsleben heranzuführen und um ihnen berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Es wird sogar ausgebildet. Bei einem geringeren und vor allem nicht planbaren Budget sei es aber schwierig, Fachpersonal für die Ausbildung zu halten.

„Der ESF war immer eine verlässliche Größe. Sollte es diesen nicht mehr geben, wackelt das ganze System“, sagte Josef Hilgefort, Referent beim Landes-Caritasverband Oldenburg als Partner des Briefkastens. Sollten Mittel gekürzt werden, käme es darauf an, diese Finanzierungslücke schließen zu können. „Wir werden weitere Felder erschließen müssen“, sagte Bode. Das Problem sei aber, dass man erst kurz vor Ende der aktuellen Förderperiode, also Ende 2020, erfahren werde, mit welchen Fördermitteln man rechnen könne. „Da kann ich Ihre Sorgen nachvollziehen“, sagte Gehrold.

Neben Zuschüssen und Spenden finanziert sich der Briefkasten durch das Soziale Kaufhaus, Dienstleistungen im Bereich Hausmeisterleistungen und das Anfertigen von Möbeln auf Kundenwunsch.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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