Friesoythe Es lief noch ganz gut auf dem Arbeitsmarkt des Landkreises Cloppenburg – vor der Corona-Krise. Dann kamen Mitte März die Corona-Schließungen. Im gesamten Landkreis haben 1324 Betriebe für 14 559 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Die Arbeitslosenquote hat im April um 15,6 Prozent zum Vormonat zugenommen. Sie liegt jetzt bei 5,7 Prozent.

„Die Dimension haben wir so nicht erwartet“, sagt Tina Heliosch, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Vechta, von wo aus auch die Arbeitsagentur Friesoythe geleitet wird. Auch die Finanzkrise 2008/2009 habe in der Region nicht solche Auswirkungen gehabt. Ein Abschwung hatte sich für die Arbeitsmarktexperten abgezeichnet. „Die konjunkturellen Entwicklungen haben wir seit Mitte bis Ende des Jahres gespürt“, sagt Tina Heliosch.

Allerdings: Die Entwicklung der vergangenen Jahre seien so positiv gewesen mit Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent, dass es auffiel, dass es auf einmal „nur“ noch zwei Prozent Steigerung wurden. Dann zeigten sich die Auswirkungen der Corona-Krise in China unter anderem mit Lieferschwierigkeiten. Und schließlich der Lockdown.

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Weil in den ersten Wochen nicht klar war (beziehungsweise ja immer noch nicht klar ist), wie lange die Krise dauern wird und welche Auswirkungen sie hat, hätten viele Firmen vorsorglich Kurzarbeit-Anzeigen gestellt. Denn nur wer einen Anzeige gemacht hat, darf Kurzarbeit abrechnen, muss es aber nicht, wenn es doch nicht nötig war.

Alle Branchen vertreten

„Viele wollten nicht in die Gefahr laufen, eine Frist zu versäumen. Aber es gibt auch viele Betriebe, die das dann im März und April nicht genutzt haben“, sagt Thomas Pünter, Teamleiter des gemeinsamen Arbeitgeberservice der Arge und der Jobcenter im Landkreis Cloppenburg. „Es gibt Firmen die sind mehr betroffen als andere.“ Vor allem in den Bereichen Tourismus, Handel und Gastronomie. Aber insgesamt zögen sich die Kurzarbeit-Anzeigen und -Anträge durch alle Branchen. Wie viel Kurzarbeitergeld die Arbeitsagentur wirklich zahlen muss, wird sich im Laufe der nächsten Monate zeigen.

Die Herausforderung für die Agentur für Arbeit: „95 Prozent der Firmen hat das noch nie genutzt. Das Aufgabengebiet war für uns auch neu“, berichtet Pünter. Normalerweise kümmern sich in Niedersachsen und Bremen 80 Mitarbeiter der Arge um Kurzarbeit. Innerhalb weniger Tage stockten sie auf 800 Mitarbeiter auf. Wer bisher Berufsberatung gemacht oder Qualifizierungsmaßnahmen koordiniert hatte, wurde zum Berater für Kurzarbeitergeld, auch in Friesoythe. Nicht immer vom Büro, sondern auch aus dem Homeoffice. Der Vorteil einer bundesweit arbeitenden Behörde: „Mit den elektronischen Akten bearbeiten Kollegen auch hier in Friesoythe Fälle aus Leer oder Vechta“, sagt Pünter. „Wir haben uns auch ein paar Steuerberater gekrallt.“ Diese hätten wiederum ihre Klienten schon einmal informieren können.

Ruhe und Verständnis

Auffällig sei auch, dass es in dieser beispiellosen Ausnahmesituation kaum Beschwerden gebe und alle mit viel Ruhe und Verständnis kommunizierten, obwohl Arbeitgeber und Arbeitnehmer natürlich unter Druck stünden, sagt Pünter. Hier könne der Arge zunächst die finanziellen Sorgen abmildern.

Bei kniffeligen Fällen müsse selbst das Fachteam Kurzarbeit, das in Osnabrück sitzt, mal länger recherchieren. Wie läuft das denn jetzt mit Überstundenkonten, die im Sommer aufgefüllt werden sollen, um sie im Winter abzufeiern? „Das liegt daran, dass die Krise nicht zur Betriebsvereinbarung passt“, sagt Heliosch augenzwinkernd.

Wie es in den kommenden Wochen weitergeht? Die Arbeitsagentur sei da sehr vorsichtig. „Wir wollen gut für unsere Kunden da sein, wir leisten einen hohen Beitrag für den sozialen Frieden“, sagt Heliosch. Es gebe einen „Fahrplan“ für einen Regelbetrieb: „Aber es wird anders sein.“ Vor allem solle weiterhin viel kontaktlos digital laufen. „Bevor kein Impfschutz besteht, bleibt alles eine Ausnahmesituation.“

Das Oldenburger Münsterland sei eine erfolgreichsten Regionen um Umkreis, sagt Frank Halbsguth, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Vechta, die eine sehr gute Entwicklung hinter sich habe. Sie habe in den 1980er-Jahren noch als das „Armenhaus der Bundesrepublik“ gegolten. Doch dann tat sich was. Es sei eine „geburtenstarke und familienfreundliche Region“ mit vielen starken Handwerksbetrieben, die auch überregional arbeiteten, sagt Thomas Pünter. Viele, günstige Arbeitskräfte und der Ausbau der Autobahnen – was waren gute Voraussetzungen für innovative Unternehmen sich anzusiedeln. Hinzu kamen mit den Grenzöffnungen viele Spätaussiedler, aus denen wiederum Fachkräfte gewonnen werden konnten, erläutert Pünter. „Ich denke, dass auch die Preise eine Rollen spielen: Die Lebenskosten sind noch relativ gering.“

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Eva Dahlmann-Aulike Friesoythe / Redaktion Münsterland
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