Neuvrees Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not und dem Dritten das Brot: Mühselig war für die ersten Neuvreeser Kolonisten, die Moorlandschaft zu kultivieren, bevor sie ihre Siedlerstelle tatsächlich als Ackerland nutzen konnten. Häufig verdienten sie ihr Geld als Torfgräber in den Fehnkolonien, bevor die Landwirtschaft für den Lebensunterhalt genügte. Zu allen Überfluss mussten sie sich gegen die Beerbten ihrer Muttergemeinde zur Wehr setzen. Nicht selten wurden sie von ihren Höfen vertrieben. Das geht aus der Chronik der Bauerschaft hervor, die aus Anlass des 225-jährigen Bestehens im Juli (siehe Infokasten) völlig überarbeitet herauskommen wird.

75 Bittschriften gingen beim Fürsten bis 1787 ein, um die „Wüste“ am Eleonorenwald zu besiedeln. Da das Landschaftsgebiet Nordhümmling größtenteils aus Moor bestand, sollten die Siedlungsstellen, sogenannte Plaatzen, sechs- bis achtfach so groß sein wie gewöhnliche. Im heutigen Neuvrees waren sechs Plaatzen entlang der heutigen Straße Altenend vom Deelschlot in Richtung Gehlenberg ausgewiesen. Zugelost bekamen die Siedler Hermann Janßen, Rolf Langen, Tobias Hinrichs, Hermann Berens, Wilm Schütte und Gerd Draper das Land.

Auf der ersten Karte von 1804 sind erste Häuser zu sehen. Die Gemeinden Lorup, Börger und Vrees hatten aber augenscheinlich etwas gegen die Besiedlung: Druck der Obrigkeit hätte sie durchgesetzt, monierten sie. Die Bauern in Vrees befürchteten den Verlust ihrer Weideflächen und des Viehtriebs. Sie versperrten den Neubauern die Wege zu den Weiden, pfändeten sogar ihr Vieh, so dass Neubauern gezwungen waren, die Siedlerstellen aufzugeben.

Die angerufene Kommission der fürstbischöflichen Hofkammer stellte fest, dass den Neusiedlern keine Einschränkungen gemacht werden dürften, weil die Mark weitläufig genug sei und die Entfernung zu Vrees mehr als zwei Stunden betrug. Bis 1803 standen lediglich drei Häuser in der neuen Kolonie. Bis 1810 wurden aber alle Plaatzen bearbeitet, weitere wurden verkauft. Bis 1827 wuchs Neuvrees auf 36 Plaatzen an.

Allerdings hatten viele Bauern nach dem Kauf einer Siedlerstelle kaum noch Geld übrig, um eine Hütte zu errichten. Auch mit der Kultivierung der moorigen Flächen hatten die Bauern schwer zu kämpfen. Die Kolonisten verarmten immer mehr – auch weil die Plaatzen versteigert wurden und die Grundstückspreise dadurch in die Höhe schossen. Vorwürfe wurden laut, dass die Muttergemeinde Vrees keine Rücksicht auf die Not der Bauern nehme, sondern nur auf den Gewinn aus sei. 1876 wurde die Kolonie Neuvrees dann selbstständig.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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