Geschichte
Zucker noch selbst in Tüten abgefüllt

Es gab einen Spar-Markt und eine Kantine. Täglich füllte er für Moorarbeiter Schnaps ab.

Bild: Carsten Bickschlag
Werner Nienaber verfolgt mit Interesse die NWZ-Berichterstattung über das Arbeiterheim in E’damm.Bild: Carsten Bickschlag
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Das Arbeiterheim befindet sich derzeit in einem überaus schlechten Zustand.Bild: Carsten Bickschlag
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Edewechterdamm /Westerstede Das 1924 erbaute Arbeiterheim in Edewechterdamm war jahrzehntelang ein wichtiger Anlaufpunkt der Ortschaft am Küstenkanal. Vor allem aus zwei Gründen. Zum einen befand sich in dem Gebäude an der Kantinenstraße 2 eine Kneipe, zum anderen ein Spar-Markt.

An beides kann sich Werner Nienaber (79) aus Westerstede noch sehr gut erinnern. Kein Wunder. Er machte dort in den 1950er Jahren eine Ausbildung im Einzelhandel. Mit 14 Jahren trat der Süddorfer 1954 seine Lehre an. Weit hatte er es somit nicht. Sein Arbeitsweg betrug gerade einmal 1000 Meter. Aber: Die Arbeitsstätte lag ja auf der anderen Kanalseite im anderen Landkreis, was einer Tabu-Zone gleichkam.

Doch nun war er nahezu täglich in Edewechterdamm. Und das sehr gerne. „Die Lehre hat mir viel Spaß gemacht. Georg und Grete Hillje und auch der damalige Buchführer Leo Stachowiak waren sehr gute Chefs“, sagt der 79-Jährige, der später viele Jahre bis zur Rente in der Zulassungsstelle des Landkreises Ammerland arbeitete. Die Arbeit im Laden, also zum Beispiel das Abpacken von Mehl und Zucker in kleine Tüten, gefiel ihm aber nicht so gut. Dafür interessierte er sich mehr für die Buchführung.

Die Kantine mit Schanktresen befand sich in einem separaten Raum. „Da durfte ich aber nicht rein. Ich war ja noch nicht volljährig“, erinnert sich Nienaber. Alkohol ausgeschenkt hatte er aber schon. Und das täglich. Morgens ab 8 Uhr kamen die Moorarbeiter, viele aus Holland, in den Spar-Markt, um Schnaps zu kaufen. „Aus einem großen Fass füllte ich immer einen Viertelliter in die Sprudelflasche. Damit zogen die Arbeiter dann ins Moor.“ Alles wurde jeden Morgen fein säuberlich ins Buch eingetragen, und sobald der Lohn ausbezahlt wurde, beglichen die Arbeiter die Rechnung. An die Höhe seines eigenen Lohns kann sich der gebürtige Süddorfer noch gut erinnern. Im ersten Lehrjahr 25 D-Mark, dann 35 D-Mark und zuletzt 45 D-Mark.

Welche Rolle das Arbeiterheim zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges spielte, weiß der 79-Jährige nicht. Er war noch ein Kind und das Gebäude befand sich ja auf der anderen Seite des Kanals. Erinnerungen an den Krieg hat er aber sehr wohl. So hat er 1945 beobachtet, wie deutsche Soldaten auf die Eisenbahnbrücke, die bei Süddorf über den Küstenkanal führt, geklettert waren und dort Bomben angebracht hatten. Kurze Zeit später flog die Brücke in die Luft. Damit war die Bahnverbindung in Richtung Edewecht unterbrochen.

Der Bahndamm war aber auch ohne Brücke für die Truppen von großer Bedeutung. Denn während die Straße von E’damm in Richtung Edewecht kaum befahrbar war, eigneten sich die gut befestigten Bahngleise sehr wohl für Panzer und Lkw. So kam es auch, dass durch den Garten der Familie Nienaber, die direkt an der Brücke wohnte, Panzer fuhren.

Um den Alliierten den Vormarsch zu erschweren, versteckten deutsche Soldaten auf ihrem Rückzug im Umfeld der Eisenbahnbrücke auch Minen. Das sollte Werner Nienaber und einem sehr guten Freund zum Verhängnis werden. Denn gemeinsam traten sie als Kinder auf solch eine Mine. Sein Freund verlor dabei ein Bein, das andere blieb steif. Er selbst wurde durch die Druckwelle meterweit durch die Luft geschleudert. Seit diesem Erlebnis leidet er an Diabetes.

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