Frage: Herr Dr. Hanisch, in diesen Tagen wird die erste bundesweite Themenwoche „Hodenkrebs“ veranstaltet. Dabei wird auch die Vorsorge besonders ins Blickfeld gerückt, die ja gerade für Männer häufig ein schwieriges Thema ist. Warum ist die Früherkennung gerade bei Hodenkrebs so wichtig?

Dr. THomas Hanisch (58): Hodenkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern zwischen 16 und 35 Jahren (Info: Rund 4000 Neuerkrankungen pro Jahr). Wenn der Krebs in einem Frühstadium erkannt wird, stehen die Heilungschancen bei rund 95 Prozent. Durch die heutige Diagnostik sowie die modernen Operations- und Behandlungsmethoden wie zum Beispiel die Chemotherapie werden die meisten Patienten wieder gesund.

Wissenswertes zur Person und Jubiläum

Dr. Thomas Hanisch ist 58 Jahre alt und kommt gebürtig aus Friesoythe. Er hat zwei Söhne und eine Tochter. Der Urologe studierte Medizin an der Philipps-Universität in Marburg und machte dort auch seine Facharztausbildung. Nach seiner Belegarzt-Tätigkeit im St. Marien-Stift in Friesoythe und dem Marien-Krankenhaus in Papenburg operiert er seit 2014 in der Urologischen Abteilung der St. Anna-Klinik in Löningen.

2017 feiert Dr. Thomas Hanisch das 25-jährige Bestehen seiner Urologischen Praxis in Friesoythe. Diese hatte er am 1. April 1992 an der Moorstraße eröffnet, ehe er sich 2002 Am Alten Hafen niederließ.

Frage: Wie sieht es denn mit der Vorsorgementalität der Männer in Deutschland aus?

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Hanisch: Sehr schlecht. Es gibt viele Vorsorgemuffel. Gerade einmal rund zehn Prozent der Männer in Deutschland kommen für die Krebs-Vorsorge zum Arzt.

Frage: Woran liegt das Ihrer Meinung nach – insbesondere beim Thema Hodenkrebs?

Hanisch: Sicherlich spielt Scham eine große Rolle. Viele junge Männer informieren sich auch lieber im Internet bei „Dr. Google“ oder wollen sich gar nicht mit dem Thema befassen. Nicht selten ist es dann die Freundin oder Frau, die eine Veränderung am Hoden ihres Partners bemerkt.

Frage: Was empfehlen Sie denn den (jungen) Männern?

Hanisch: Sie sollten regelmäßig einmal im Monat ihre Hoden abtasten. Bei Auffälligkeiten sollte unbedingt der Urologe aufgesucht werden. Ein solche Auffälligkeit ist in der Regel eine schmerzlose Verhärtung an einem Hoden, die schnell größer wird.

Frage: Wie läuft dann ein Besuch beim Urologen ab?

Hanisch: Beim Urologen werden die Männer eingehend untersucht und es wird ein Ultraschallbild angefertigt. Gegebenenfalls wird dann Blut abgenommen, um nach möglichen Tumormarkern zu suchen. Sollte dabei etwas auffällig sein, wird ein CT (Computertomographie) und/oder ein MRT (Kernspintomographie) gemacht.

Frage: Und wie geht es dann weiter im Fall der Krebsdiagnose?

Hanisch: Um eine Operation kommt der Patient in der Regel nicht herum. Dabei wird der betroffene Hoden zumeist entfernt. Anschließend wird manchmal mit einer Bestrahlung weiterbehandelt oder einer individuellen Chemotherapie.

Frage: Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist doch sicherlich: Kann ich mit nur einem Hoden noch Kinder zeugen?

Hanisch: Ein Hoden reicht dafür völlig aus. Er produziert genügend Spermien. Die Sexualität wird durch die Behandlung bzw. Therapie nicht eingeschränkt. Die Männer können nach wie vor eine Erektion bekommen, Lust empfinden und einen Orgasmus bekommen. Einige Männer lassen sich nach einer solchen OP eine Silikonhodenprothese einsetzen, die jedoch rein kosmetische Gründe hat. Sinnvoll kann es sein, im Vorfeld einer Chemotherapie das eigene Sperma konservieren zu lassen, da die chemischen Substanzen die Fruchtbarkeit beeinflussen bzw. gefährden können.

Frage: Womit könnte man denn Ihrer Meinung nach gerade junge Männer für das Thema Hodenkrebs sensibilisieren und zum Arztbesuch motivieren?

Hanisch: Der Berufsverband der Urologen hat eine sogenannte Jungen-Sprechstunde vorgeschlagen, was ich sehr sinnvoll finde. Hier können viele Fragen beantwortet werden. Neben Hodenkrebs spricht man z.B. auch über Sexualität, Geschlechtskrankheiten oder Intimschmuck. Auch über Fach-Internetseiten und soziale Medien kann man gerade junge Männer gezielt auf das Thema Hodenkrebs aufmerksam machen und informieren.


Mehr Informationen unter   www.hodencheck.de 

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Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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