Friesoythe Während landauf, landab bei immer mehr alteingesessenen Gaststätten die Lichter ausgehen, bleibt es im „Schwaneburger Hof“ in Friesoythe auch weiterhin hell. Christa und Wilfried „Boy“ Thunert, die die Gaststätte in zweiter Generation führen und spätestens 2015 den Betrieb aufgeben wollten, haben Nachfolger gefunden. Sina Frerichs (30) und Torsten Mazur (43), beide aus Augustfehn, haben die Traditionsgaststätte an der Schwaneburger Straße ab dem 1. Juli übernommen. „Wir sind sehr froh, dass wir zwei junge Leute gefunden haben, die große Lust haben, hier etwas Neues aufzubauen“, sagte die 53-jährige Christa Thunert. Somit erfährt das Traditionsunternehmen eine Fortsetzung.

Der Grundstein für die Gaststätte wurde bereits 1952 gelegt. Dabei wollte Heinrich Thunert eigentlich nicht Wirt, sondern Landwirt werden. Doch eine Kriegsverletzung hinderte den Friesoyther an seinem Berufswunsch. Also wurde er zunächst Kaufmann, war von 1948 bis 1952 sogar Gemeindedirektor von Markhausen.

1952 kaufte er dann den Lebensmittelmarkt an der Schwaneburger Straße. Gemeinsam mit Frau Elisabeth führte er den waschechten „Tante-Emma-Markt“ weiter und eröffnete 1953 die Gaststätte Thunert. In den 1970er Jahren kam ein kleiner Saal hinzu. Von morgens bis abends waren der Lebensmittelmarkt und die Gaststätte ohne Ruhetag geöffnet. Rund um die Uhr wurde gearbeitet. „Es war die goldene Zeit der Gaststätten“, erinnert sich Wilfried Thunert (57).

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Doch die Kneipenlandschaft änderte sich im Laufe der Zeit. Immer mehr Gaststätten machten dicht – entweder aus wirtschaftlichen Gründen oder es gab schlichtweg keinen Nachfolger. Auch Familie Thunert kam Ende der 1980er Jahre an einen Punkt, an dem eine Entscheidung getroffen werden musste. Also fragte Vater Heinrich seinen Sohn Wilfried und Schwiegertochter Christa, ob sie das alles nicht übernehmen wollten. Wilfried, Beamter bei der Deutschen Bundesbahn, und Hauswirtschaftsleiterin Christa wollten. „Wir waren uns schnell einig“, erzählen beide.

1989 war es dann soweit. Der Generationenwechsel war vollzogen. „Die Umstellung war schwierig. Plötzlich hatte man nie Zeit“, sagt die 53-Jährige. 1990 wurde eine Kegelbahn gebaut und der Saal vergrößert. „Das war eine gute Entscheidung“, so Wilfried Thunert.

Als Heinrich Thunert 1992 im Alter von 73 Jahren starb, wusste er sein Unternehmen in besten Händen. 25 Jahre lang waren fortan Christa und Wilfried Thunert tagaus, tagein für die Gaststätte und ihre Gäste auf den Beinen. „Es war eine sehr schöne Zeit und es macht einen stolz, die Gaststätte so lange geführt zu haben. Wir möchten uns vor allem bei den treuen Kegelclubs, unseren Stammgästen und unseren Mitarbeitern recht herzlich bedanken“, sagt Ehepaar Thunert.

Doch seit dem 30. Juni ist Schluss. Jetzt haben die Nachfolger das Ruder übernommen. Diesen Wechsel hat Elisabeth Thunert kurz vor ihrem Tode im Alter von 91 Jahren im Februar dieses Jahres noch mitbekommen. Christa Thunert: „Sie war sehr glücklich, dass es hier mit so netten Leuten weitergeht.“

Die neuen Pächter Sina Frerichs und Torsten Mazur waren zuvor gemeinsam dreieinhalb Jahre in einem Restaurant in Barßel tätig – Frerichs als Restaurantfachfrau, Mazur als Thekenchef. Jetzt wagen sie den Sprung in die Selbstständigkeit. Und haben neue Ideen im Gepäck. Sie werden den Saal und die Kegelbahn erhalten, aber sonst wird vieles neu. Die beiden werden ein Restaurant mit dem Namen „Schwaneburg“ und moderner deutschen Küche eröffnen. Auf der Fläche des ehemaligen Tante-Emma-Ladens finden dann rund 55 Gäste Platz. Ein zehnköpfiges Team wird sich an sieben Tagen in der Woche um Küche und Service kümmern. Die Umbauarbeiten haben bereits begonnen. Derzeit ist die Kneipe geschlossen. Die Neueröffnung ist am 30. August.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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