Cloppenburg Wenn es die Schülerbeförderungen und Krankenfahrten nicht gäbe, hätte Wolfgang Menke vom Cloppenburger Taxiunternehmen Bornemann und Siemer möglicherweise schon vor einiger Zeit hingeworfen. Am Wochenende abends und nachts regelmäßig massenhaft Feierwütige von A nach B bringen? Diese Zeiten seien lange vorbei, berichtet der 55-Jährige im NWZ-Gespräch.

Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel aus der Praxis: 14 Taxen aus der Rufzentrale von Bornemann und Siemer sowie vier Exemplare des Cloppenburger Mitbewerbers Preuth stehen an einem ganz normalen Freitagabend zur Verfügung. Früher – so Menke – sei der Taxistand vor der damaligen „Stechuhr“ am Capitol noch lukrativ gewesen. Dort habe die Kundschaft für die Zeit in der Kneipe und nicht pro Getränk zahlen müssen, viele Auswärtige hätten sich mit dem Taxi hierher und anschließend ebenfalls mit der Droschke zur Diskothek „Bel Air“ bringen lassen.

Doch die Stechuhr gibt es nicht mehr, zum Nachfolgeunternehmen „Jenne’s“ – einer Kneipe mit einem konventionellen Konzept – kämen fast nur noch Cloppenburger, meint Menke. Deshalb beschränke sich das Geschäft nun auf einen Zeitkorridor von dreieinhalb Stunden vor der Tür der Emstekerfelder Großraumdisco. Und Geld wollen hier nicht nur die Cloppenburger, sondern auch die Unternehmen aus den umliegenden Gemeinden verdienen, die beim „Bel Air“ ebenfalls Fahrgäste aufnehmen dürfen.

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Doch der Kuchen sei – findet Menke – inzwischen zu klein geworden. Deshalb hätten die Firmen Bornemann/Siemer und Preuth Anfang des Jahres beim Kreis beantragt, dass die umliegenden Mitbewerber nur noch am Sonnabend Fahrgäste beim „Bel Air“ einsteigen lassen dürfen. Der Kreistag lehnte das Ende März mehrheitlich ab, schließlich hätten die Cloppenburger Firmen ja „Exklusivrechte“ beim Junimarkt und beim Mariä-Geburtsmarkt. „Da ist aber schon lange nichts mehr los“, meint Menke. Er ist enttäuscht.

Missachtung der Regeln

Darüber hinaus hielten sich einige Mitbewerber auch nicht an die Spielregeln. So dürften sich diese Taxen aus den umliegenden Gemeinden lediglich von 24 bis 6 Uhr beispielsweise vor dem „Bel Air“ oder beim Cloppenburger Cityfest platzieren, um dort Fahrtgäste aufzunehmen. Diese zeitliche Beschränkung werde aber nicht eingehalten.

Zudem überschritten die konkurrierenden Mietwagen, die keine Beförderungspflicht haben und den Fahrpreis frei verhandeln können, oft nicht an die rechtlichen Voraussetzungen. Denn Mietwagen müssten nach Beendigung der Fahrt zum Betriebssitz zurückkehren. Sie dürften nicht vor Kneipen und Diskotheken auf neue Kundschaft warten, klärt Menke auf.

Zu wenige Kontrollen?

All das steht in der Taxenverordnung des Landkreises Cloppenburg auch so drin. Kontrolliert wird das nach Meinung von Menke aber viel zu wenig.

Zwei Mitarbeiter sind beim Landkreis Cloppenburg für die unregelmäßigen Kontrollen nachts und am Wochenende zuständig. „Wir haben nicht das Gefühl, dass Verstöße so zugenommen haben, dass wir die Kontrollen ausweiten müssten“, sagt Kreis-Sprecherin Sabine Uchtmann. Diesbezügliche Klagen seien bislang nicht an die Kreisverwaltung herangetragen worden.

Protestaktion

Um sich gegen die Zustände am Freitag vor der Diskothek Bel Air zu wehren, haben die Cloppenburger Taxifahrer eine Protestaktion gestartet. Und diese läuft folgendermaßen: Bereits um 23.55 Uhr stellen sich sämtliche Fahrer mit ihren Autos vor der Diskothek hin, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussicht auf eine Fahrt haben. Die Kollegen aus den umliegenden Gemeinden, die später kommen, müssen sich in die Schlange hinter den Cloppenburger Kollegen einreihen mit dem Ergebnis, dass sie ihre erste Tour erst gegen drei Uhr bekommen.

„Wenn nichts anderes los ist, geht’s freitags um 3 Uhr erst richtig los – bis 6.30 Uhr“, beschreibt Menke den Arbeitsalltag eines Nachtfahrers. Dreieinhalb Stunden Arbeiten und das mitten in der Nacht, das wolle kein Mensch machen. „Und auch nicht nur für den gesetzlichen Mindestlohn.“

All das habe dafür gesorgt, dass Taxifahrten viel teurer geworden seien. Früher, so rechnet Menke vor, habe eine Fahrt von Cloppenburg zur Friesoyther Diskothek „Extra“ 30 Euro gekostet – heute 50 Euro. Und wer beispielsweise vom Galgenmoor zum „Bel-Air“ und zurück chauffiert werden wolle, müsse für diese zwei Stadtfahrten inzwischen 28 Euro bezahlen. Davor schrecke vor allem die jüngere Kundschaft zurück.

Vorschläge gemacht

Um die Einnahmeausfälle kompensieren zu können, schlägt Menke die Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs vor. Vom Kreis subventionierte Taxen könnten tagsüber vor allem Senioren preiswerter in einem Pkw oder Bulli transportieren als ein 50er oder 30er-Bus, der nur wenig ausgelastet sei, aber 30 Liter Diesel brauche – mal abgesehen von den Abgasemissionen. „Außerdem ist die Einrichtung von Anrufsammeltaxen denkbar.“ Und auch Taxigutscheine für Jugendliche schlägt Menke vor. Diese müssten dann beispielsweise nur noch einen Anteil bezahlen und kämen nach der Disco sicher nach Hause.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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