BARßEL „Der Weg ist das Ziel“ – Getreu diesem Motto haben die beiden Freundinnen Anke van Ohlen (50) aus Elisabethfehn und Katharina Frerichs (62) aus Barßel in 29 Tagen den rund 800 Kilometer langen Jakobsweg vom französischen Saint-Jean-Pied-de-Port bis in das spanische Santiago de Compostela bewältigt. Zu Fuß, wohlgemerkt. Als sie am 29. Tag morgens um 10 Uhr pünktlich mit dem Glockenschlag vor der Kathedrale in Santiago de Compostela stehen, vermerkt Katharina Frerichs in ihrem Tagebuch: „800 Kilometer gelaufen. Wir können es nicht glauben, aber wir haben es geschafft.“

Zwölf Kilo geschultert

Anke van Ohlen ist im Gedenken an ihre 2005 im Alter von 17 Jahren tödlich verunglückte Tochter Sahra gewandert. Sie zieht nach der Rückkehr aus Spanien ein ganz persönliches Fazit: „Der ganze Weg ist magisch. Man denkt, da ist jemand, der einen zieht.“ Und Katharina Frerichs verweist auf ähnliche Eindrücke: „Es gab täglich jede Menge Antrieb. Das ist so, als wenn man ständig gerufen wird.“ Die Barßelerin wollte mit der Wanderung einfach nur „Danke“ sagen. Weil es ihr im Leben so gut geht.

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Nach der Anreise mit Flugzeug und Bahn haben die Frauen in Saint-Jean-Pied-de-Port ihren jeweils zwölf Kilogramm schweren Rucksack geschultert. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es am Wegesrand. Einfache Herbergen mit Schlafsälen für ein paar Euro. Zwei Duschen müssen für 40 Pilger reichen. Manchmal ist es ein kleines Hotel. Aber immer sehr bescheiden. Katharina Frerichs: „In der ersten Nacht haben wir sogar im Freien geschlafen.“

„Das war die Hölle“

An den ersten Tagen schaffen sie täglich „nur“ 15 bis 20 Kilometer, weil sie morgens zu spät starten. Dann passen sie sich den Gegebenheiten in Südeuropa an: Bei großer Hitze machen sich die Frauen schon um 6 Uhr auf den beschwerlichen Weg. Täglich sind sie zehn Stunden unterwegs, schaffen jetzt rund 30 Kilometer.

Am 16. Tag dann die Herausforderung: Die „Meseta“ ist ein Teilstück, das die ganze Frau erfordert. Anke van Ohlen: „Das war die Hölle. Zwölf Kilometer immer geradeaus, kein Schatten, sengende Sonne.“ Und Katharina Frerichs schreibt in ihr Tagebuch: „Wir treffen mittags einen Pilger. Er fragt uns, wo wir denn noch hin wollen. Antwort: Nach Calzadilla de la Cueza. Er: Ihr wisst schon, dass es auf den nächsten 18 Kilometern weder Schatten noch Wasser gibt. Antwort: Was sind für uns schon 18 Kilometer, es ist ja erst 12 Uhr.“

Die Frauen laufen los, ohne zu ahnen, was auf sie zukommt. Auf der alten Römerstraße ist weit und breit kein Pilger zu sehen, rechts und links nur Kornfelder, der gelbe Schotterweg führt stets nur geradeaus. Katharina Frerichs: „Dann hatten wir kein Wasser mehr. Die Lippen wurden trocken. Es waren verdammte zwölf Kilometer.“ Nach fünfeinhalb Stunden erreichen sie völlig erschöpft den 55-Einwohner-Ort mit seinen 77 Herbergsbetten.

Pilgerurkunde als Lohn

Die Frauen treffen andere Pilger. Sie kommen aus Australien, Kanada, Bolivien oder den Niederlanden. Die letzte Nacht verbringen Anke van Ohlen und Katharina Frerichs in einem Kloster. Für 23 Euro pro Person. Sie gönnen sich sogar den Luxus eines Frühstücksbüfetts.

Am nächsten Tag ist das Ziel erreicht. Bis dahin haben sie sich an jeder Pilgerstation ihren speziellen Pilgerpass abstempeln lassen. Den legen sie nun in Santiago de Compostela im Pilgerbüro vor – und erhalten als Lohn die begehrte Pilgerurkunde.

Heinz-Josef Laing Friesoythe / Redaktion Münsterland
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