Cloppenburg Schon vor drei Jahren hatte das St.-Josefs-Hospital in Cloppenburg beim Land einen Antrag gestellt: Das Krankenhaus soll eine Neurologie-Abteilung bekommen. Doch bisher hat sich nichts getan. Jetzt hat das St.-Josef-Hospital Unterstützung von einem unabhängigen und international anerkannten Experten bekommen: Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Universität Duisburg-Essen.

Der Neurologe sieht einen großen Versorgungsengpass im Landkreis Cloppenburg: „Ich wusste gar nicht, dass es noch Bezirke in Deutschland gibt, wo in einem so großen Umfeld eine Neurologie-Abteilung fehlt.“ Es müsse dringend eine Fachabteilung in Cloppenburg geben.

In die Neurologie kommen Patienten mit degenerativen Hirnerkrankungen, beispielsweise MS, Parkinson oder – die häufigste Krankheit – Demenz. Auch Schlaganfallpatienten werden in der Neurologie behandelt. Die nächsten Krankenhäuser mit einer solchen speziellen Abteilung sind Oldenburg, Westerstede und Damme. Viel zu weit weg, meint der Experte aus Essen und nimmt das Beispiel Schlaganfall zur Hand: „Kritisch ist die Zeit. Ansonsten geht Gehirnmasse verloren. Da kann man jemanden nicht noch 45 Minuten über Land karren.“ Ein weiteres Argument sei, dass Neurologie-Patienten ihr soziales Umfeld bräuchten. „Das ist für die Genesung mindestens genauso wichtig“, so der Experte.

Diener hat Anfang der 90er Jahre das Konzept der „Stroke Unit“ entwickelt, eine auf Schlaganfälle spezialisierte Abteilung. Ziel ist es, eine permanente Behinderung nach einem Schlaganfall zu vermeiden. 228 „Stroke Units“ hat er in Deutschland eingeführt, unterstützt international beim Ausbau der Schlaganfall-Versorgung. „In China haben wir in drei Jahren 140 ’Stroke Units’ aufgebaut. Das geht, wenn der politische Wille da ist“, so Diener.

Aus der Praxis weiß Dr. med. Andreas Pfeiffer um ein weiteres Problem: „Ein Schlaganfall ist nicht unbedingt direkt zu erkennen. Aber ein Hausarzt schickt seinen Patienten nicht nach Oldenburg, wenn er Schwindel hat.“ Gäbe es eine Neurologie-Abteilung in Cloppenburg, würde eine Untersuchung durch Fachärzte eher passieren.

Außerdem gebe es eine Konkurrenzhaltung unter den Krankenhäusern, erläutert Landrat Johann Wimberg, „das Buhlen um Betten“. Die Argumentation umliegender Krankenhäuser, dass ihnen die Patienten wegbleiben, sei unbegründet. Denn: „Wir werden eine immer älter werdende Gesellschaft“, sagt Diener – und somit immer mehr Patienten. Jetzt schon kämen die Krankenhäuser mit Neurologie-Abteilung bei der großen Nachfrage nach Plätzen nicht hinterher, so die Erfahrung von Prof. Dr. Joachim Schrader vom St.-Josefs-Hospital. „Wir haben großen Ärger, wenn wir Patienten verlegen wollen. Man kriegt keine Betten.“

In Cloppenburg sollen laut Antrag 30 Betten eingerichtet werden. Diener weiß: „Alle Neurologie-Abteilungen, die mit 30 Betten angefangen haben, waren später bei 50.“ Der Bedarf ist da. Allerdings: „An der Thematik wird in Hannover gerade nicht diskutiert“, sagt Krankenhaus-Chef Lutz Birkemeyer. Es ist unklar, wann es eine Entscheidung geben wird.

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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