Cloppenburg Nach heftigen Bauernprotesten gegen die Preispolitik des Einzelhandels hat der Betreiber der Handelsketten Lidl und Kaufland, die Schwarz-Gruppe, Hilfen in Höhe von 50 Millionen Euro über die Initiative Tierwohl für die Landwirte angekündigt. Den Bauern ist das allerdings nicht genug. „So ein Trostpflaster reicht bei weitem nicht aus, um die grundsätzlichen Probleme zwischen Landwirtschaft und dem gesamten Lebensmitteleinzelhandel zu lösen“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Freitag.

48 Stunden Proteste

Unter anderem hatten zwischen Sonntag- und Dienstagabend in der Spitze bis zu 300 Traktoren und Landwirte das Lidl-Zentrallager am Brookweg in Cloppenburg blockiert. Etwa 80 Traktoren machten gleichzeitig zwei Firmen im Ecopark dicht, die Teil der Logistikkette des Discounters sind. Nachdem der Chef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, den Landwirten einen „Dringlichkeitsgipfel“ des Handels mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zugesagt hatte, zogen sie nach einer Abstimmung ab. Zudem setzten sie den Supermarkt-Chefs eine neue Frist: „Bis Freitagabend muss eine vernünftige Erklärung veröffentlicht werden, sonst werden wir wieder protestieren“, kündigte Landwirt Stefan Grotjann (Harkebrügge) am Mittwoch an. Das am Donnerstag als Videokonferenz durchgeführte Spitzentreffen brachte nach Angaben aus Teilnehmerkreisen aber keine greifbaren Ergebnisse.

„Behalten das im Auge“

Die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta hatte vor dem Hintergrund der Landwirte-Ankündigung, wiederkommen zu wollen, bereits am späten Freitagmittag zwei Streifenwagen zum Lidl-Zentrallager entsandt. Diese Fahrzeuge wurden aber bereits wenig später wieder abgezogen, weil noch kein Trecker in Sicht gewesen sei, erklärte ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Man beobachte die zum Teil heftige und kontroverse Diskussion unter den Landwirten: „Wir behalten das im Auge.“

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Bauern-Präsident Rukwied bezeichnete das 50-Millionen- Angebot von Lidl zwar als eine nette Geste. „Aber wegen des andauernden Preiskampfs verlieren unsere Bauern diesen Betrag fast wöchentlich.“ Notwendig sei eine „grundlegende Veränderung in der Zusammenarbeit“ zwischen den Bauern und dem Handel.

„Reine Marketingaktion“

Die Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“ sprach sogar von einer reinen Marketing-Aktion. Letztlich kämen bei 260 000 Landwirtschaften auf jeden Betrieb nur 192,31 Euro. „Eine lächerliche Summe, womit nicht ansatzweise die Löcher in den Betrieben gestopft werden können“, urteilte sie.

Im Handel stieß der Alleingang von Lidl auf wenig Verständnis. Der Lidl-Chef versuche offenbar, den Zorn der Bauern auf die anderen Händler abzulenken, war zu hören. Dabei seien die Probleme vom Handel allein gar nicht zu lösen. Denn einer der Hauptgründe für den aktuellen Preisverfall etwa bei Schweinefleisch sei der dramatische Rückgang der Fleischexporte infolge der Afrikanischen Schweinepest. Hier sei die Politik gefordert.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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