Cloppenburg Europaweit liegt der Wert der Insekten-Bestäuberleistung jährlich bei etwa 14,2 Milliarden Euro. „Wildbienen leisten einen beträchtlichen Teil dieser Arbeit“, sagt Diplom-Ingenieurin Elke Schwender an diesem Donnerstagmorgen, die seit vielen Jahren für die Gartendenkmalpflege und Grünplanung im Museumsdorf Cloppenburg zuständig ist. Doch dieser auch wirtschaftlich wichtige Faktor werde hierzulande kaum gepflegt, allein in Niedersachsen seien 60 Prozent der Wildbienen vom Aussterben bedroht.

Um in den Köpfen der Menschen etwas zu verändern, hatte das Niedersächsische Freilichtmuseum für Donnerstagnachmittag zu einer Fachtagung eingeladen. Hier wollten 65 Vertreter von Kommunen und Naturschutzverbänden, aber auch Privatleute aus dem gesamten Weser-Ems-Gebiet und Bremen unter dem Motto „Jeder kann etwas tun“ ein Wildbienenbündnis schmieden.

Aber warum kümmert sich das Museumsdorf, das sich ja eigentlich vorrangig mit alten Gebäuden und Gegenständen beschäftigt, um den Insektenschutz? Die Gebäude des Museumsdorfs – so Schwender – eigneten sich hervorragend als Rückzugsort für Insekten. „Unser Korn-Fachwerkspeicher von 1480 ist mit seinen Lehmflächen und dem Reetdach eine der größten künstlichen Insektenhilfen weit und breit“, klärt Schwender auf. Zudem böten Obstbäume, blühende Wiesen, unkontrolliert aufgeschichtete Findlinge etc. im Dorf Insekten jede Menge Lebensraum.

Schwender forderte in diesem Zusammenhang private Hausbesitzer auf, Mut zu einer „Verlotterung“ des eigenen Gartens zu haben. Die immer weiter um sich greifende Versiegelung von Flächen und die zwischenzeitlich in Mode gekommenen Schottergärten hätten den Insekten viele Lebensräume genommen. Darüber referierte sie auch zum Auftakt der Wildbienen-Veranstaltung unter dem Titel „Blütenreichtum und Insektenvielfalt“.

Über die Lebenswelten der vielseitigen Wildbienen sowie Erfahrungen aus dem Osnabrücker Bienenbündnis sprach anschließend Janina Voskuhl (B. Eng. Landschaftsentwicklung). 50 Prozent der Wildbienen leben im Boden, mehr als 100 Blütenbesuche brauchen die Tiere für eine Brutzelle. Dabei können sie nur bis zu 300 Meter weit fliegen, um etwas zu finden. Ein schwieriges Unterfangen, wenn immer mehr Felder nur mit Mais bepflanzt sind.

Anschließend stellte BBS-Studienrätin Nadine Andreßen das deutsch-niederländische Forschungsprojekt „B-R(h)apsodie“ vor, an dem auch die Cloppenburger BBS am Museumsdorf beteiligt ist. Durch das Projekt gibt es erstmals eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen der Uni Oldenburg und VHL Leeuwarden, dem Holländischen Zentrum für Bienenforschung, dem Ökowerk Emden und dem IMME Bourtanger Moor. Kinder, Jugendliche, Lehrer und deren eigene Bienenvölker sind Teilnehmer des Projekts. Sie sammeln Daten über das Verhalten der Bienen und stellen diese online zur Verfügung. Ein weiteres Ziel ist die Schaffung eines tiefgehenden Bewusstseins über die Bedeutung der Biene für das menschliche Leben.

Über den Beitrag der Landwirtschaft zum Insektenschutz informierte Dr. Josef Kuhlmann, Agraringenieur und Leiter der Fachgruppe Pflanzen bei der Landwirtschaftskammer in Cloppenburg, unter dem Titel „Blühstreifen auf Ackerflächen und deren Möglichkeiten und Grenzen“.

Aus der Pflegepraxis einer Kommune und eines engagierten Imkers berichtete Hermann Hüsers (Haren). „Viele Flächen sind völlig überdüngt. Dabei sind die Pflanzen hier eigentlich auf magere Böden spezialisiert“, nahm Schwender bereits am Morgen eine der zentralen Thesen des Vortrags vorweg. Früher verbreitete Pflanzen wie Schafgarbe, Wiesen-Schaumkraut, Flockenblume, Wegwarte oder Rainfarn seien in der Region inzwischen fast völlig verschwunden.


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Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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